"Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Sandkorn und der Ewigkeit. Sie müssen sich die Ewigkeit nicht als etwas vorstellen, das im Sandkorn enthalten ist. Das Sandkorn IST die Ewigkeit. Genau so wenig unterscheidet sich die Tatsache, dass wir jetzt hier sitzen, vom Nirwana. So wie wir hier sitzen, sind wir im Nirwana. Sie brauchen weder zum Sandkorn noch zu unserem Hiersitzen einen philosophischen Kommentar abzugeben. Er erübrigt sich."
Alan Watts: DIE RELIGION DER NICHT-RELIGION (1965)
"Befreiung ist das Ende der Illusion von Bewusstsein als realer Instanz. (...) 'Ich bin' hat keine eigene Realität, sondern ist das, was scheinbar passiert. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist das Wunder. (...) Es gibt kein wahres Selbst als eine reale Instanz, die entdeckbar wäre. Jedes Entdecken setzt einen Entdecker voraus und etwas, das entdeckt werden könnte. Der Entdecker aber ist illusionär und somit auch sein Entdecken. (...) Selbst macht keine Erfahrung von Selbst - es ist einfach das, was ist. (...) Es ist die natürliche Realität. (...) Es gibt hier kein Zentrum, nichts, von dem aus gelebt wird. Nichts, das sich als im Körper sitzend erlebt und nach draußen schaut. Das ist Befreiung."
Andreas Müller: FREIHEIT (2017)
AUSGEWÄHLTE TEXTE
Topaktueller Text als Gastbeitrag für die LIGA DER LEEREN im Mai 2026:
Essay NONDUALER NARZIẞMUS? (UPGRADE DER "SPIRI-PSYCHOSE")
Tom de Toys, 24.-28.12.2004 © POEMiE™
(Erstveröffentlichung @ Lochismus.de)
ZUR OFFENEN MITTE
(1.TRANSRELIGIÖSES GEBET FÜR DAS 23.JHD.)
DAS LOCH IST MEINE GROßE MITTE
ES DURCHDRINGT DAS GANZE ALL
DAS LOCH IST MEINE GROßE MITTE
ALS UNENDLICHER URKNALL
IN MEINEM KÖRPER WOHNT DIE LEERE
SIE TRÄGT UNS IM FREIEN FALL
IN MEINEM KÖRPER WOHNT DIE LEERE
SIE DURCHLÖST DEN ERDENBALL
MEIN GEIST VERWANDELT SICH ZU STILLE
ER BEJAHT DIE GEGENWART
AUCH OHNE WORTE SEI MEIN WILLE
OFFEN FÜR DIE FREIE TAT
DAS GRENZENLOSE LOCH IN MIR
RUHT ÜBERALL IN SEINER MITTE
ES VERBINDET MICH MIT DIR
UND TREIBT UNS VON HIER NACH HIER
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Tom de Toys, 28.12.2025 © POEMiE™
(Erstveröffentlichung @ Neuroatheismus.de)
RAMPENSAU & RUHEPOL
(KEIN REMAKE FÜR NIEMAND)
das neuroatheistische leben besteht aus
zwei überlangen erfolgsgeschichten: teil
1 ist der hollywoodblockbuster "big e:go"
mit dramatischer sehnsucht und pathos
aber einem filmriss anstatt happy-end. bei
der fortsetzung befindet sich an der stelle
wo sich früher der vorhang zur leinwand
öffnete nur dieses randlose windige loch
(ohne landschaft dahinter zu offenbaren)
und ein kaputter stuhl erinnert uns stumm
an den kinosaal wo nun die wände fehlen
die ganze filmbranche war insolvent und
da es seitdem weder schauspieler noch
produzenten gibt läuft kein film mehr ab
und es sitzen nirgendwo kinobesucher
das setting der nondualen wahrnehmung
gleicht einem wellenmeer ohne strand
inmitten des unendlichen nichts das selber
schwimmt und schreibt was schon an sich
einem wunder gleicht aber der schwimmer
fehlt der sich wundern könnte sogar die
zerlumpte badekappe die beweisen sollte
dass hier jemand früher runden drehte
treibt nicht mehr vorbei denn sie wurde
an den virtuellen strand gespült und ver-
schmolz mit dem heißen sand so dass
beides verschwand was sich richtig reimt
und diesen text zum gedicht verklärt
Gastbeitrag für die LIGA DER LEEREN 2020
MENSCH IN DER MITTE OHNE MITTE
(PSYCHOSYNTHESE FÜR "HINFORT"-GESCHRITTENE)
Psychosynthetisch gesprochen ist es ja auch nur ein Ich-Anteil, der als "spiritueller Sucher" auftaucht, aber das Irreführende an ihm ist, dass er GLAUBT, er sei SELBER die "leere Mitte". Ich habe zwar früher bereits gewusst, dass der Sucher eine zwangsneurotische Überkompensation zur Traumatisierung darstellt, kannte aber das Trauma nicht und dachte, ein solches finden zu müssen, damit sich das "ganze Ich" endlich entspannen darf. Darüber hinaus hoffte ich, in einer "leeren Mitte" anzukommen, indem ich mich von diesen suchenden Ich-Anteil auch disidentifiziere. Erst später widerfuhr mir die Gnade des Verpuffens des Egos, das all das tut, sogar das Loslassen und Ankommen in der Leere. Erst dadurch wurde mir klar, dass Therapie und Retreats niemals vom Ego befreien können, weil dieses Ego durch solche Maßnahmen nur weiter zur Selbstaktivität aufgefordert wird. Deshalb empfinde ich die Nullyoga-Statements korrekt, dass Yoga, Meditation und jede andere Methode lediglich zu noch mehr Leistungsdruck des Egos führt, sich selbst loslassen zu wollen - anstatt los-"gelassen" zu SEIN. Ich wollte ja anfangs auch Therapeut werden (Kunsttherapeut), aber jetzt scheint mir die Paradoxie therapeutischer Effekte zu dominant, weil sie letztlich doch nur das Ego immer wieder stabilisieren. Daher auch meine Aversion gegen beliebte Archetypen wie das "innere Kind". Ich empfand das als Folter, weil ich ja die totale Disidentifikation suchte anstatt einen neuen Anker, der mir zu esoterisch, ja kitschig anmutete. Natürlich war mir die heilsame Wirkung dieser Hinwendung zum "traurigen Tom" in mir bewusst, um alle möglichen Traumatisierungen zu lockern/heilen, aber ich wollte mich nicht mehr mit einer neuen Figur identifizieren, ahnte aber noch nicht, dass das Ego selbst seine eigene absurde Blockade darstellt anstatt IRGENDEIN Trauma als erste Urfantasie. Vielleicht wäre es hilfreicher für mich gewesen, wenn die verkopfte Hinwendung zur inneren Heilung einhergegangen wäre mit körperlich-sinnlichen Techniken wie Ganzkörpermassage, Schwitzhütte oder Tantrasex. Irgendwie war mir der Körper in Gesprächstherapien zu wenig bis gar nicht involviert, abgesehen von den vielen salzigen Tränen, die man verheult! Ich war ja sowieso schon viel zu verkopft. Könnte es sein, dass KÖRPERBEZOGENE Techniken viel besser vom Ego befreien können als das Denken, Reden, Visualisieren etc, damit der Kopf endlich AUFHÖRT zu rattern und eine "mystische" Seinsfühlung zunehmen kann? Aber auch dann kann das Ego natürlich jenen Ich-Anteil verabsolutieren, der sich dementsprechend als "Sportler" oder "feinfühlig" (oder "Erleuchter", siehe mein Artikel "DIE SPIRI-PSYCHOSE") definiert, also noch immer den Körper VON AUSSEN betrachtet anstatt dieser leere Molekülhaufen "gedankenlos" zu SEIN. Von Douglas Harding (der mit Alan Watts kommunizierte) ist diese KOPFLOSIGKEIT als Hauptthema in seinem berühmten Buch behandelt worden. Er empfand seinen Kopf als nicht-vorhanden, die Leere schaute an sich herunter und sah den Körper. War er nun in einer Spiripsychose (durch Überidentifikation mit der Leere als neues Ich-Objekt) oder war er tatsächlich angekommen? Das weiss vielleicht immer nur der Mensch selber? Dieser wahrnehmende Mensch, der sich jetzt "ich" nennt, nutzt jedenfalls seine Egolosigkeit mittlerweile als Technik, um sich bestimmten Ich-Anteilen entweder willentlich hinzuwenden (wenn sie konstruktive Lösungen für Lebensprobleme anstreben, z.B. bei Hunger: "Ich will kochen, muss aber zuerst einkaufen gehen und darf dafür den Corona-Mundschutz nicht vergessen") oder sie nicht zu groß aufzublasen, wenn mich ihre (evtl. traumatisch inspirierten) Themen zu sehr stressen (z.B. bei Minderwertigkeitskomplex: "warum mag man mich nicht, was ist falsch an mir?"). Auch jener Ich-Anteil, der immer wieder gerne auftaucht mit seiner paranormal-paranoiden Frage "Wer bin ich, wer IST ich, was BIN ich bloß?", kann dadurch nicht mehr zur psychotischen Dissoziation entgleisen, sondern wird aus der Leere als eine historisch konditionierte Stimme (die Figur "spiritueller Sucher") erkannt, die einfach redet und redet und redet, ohne jemals zu kapieren, dass der Spiegel, in den sie hineinredet, absolut leer ist, ohne Hintergrund, nur ein Loch! Was für ein merkwürdiges Lebensgefühl heutzutage nach so vielen Jahren überflüssiger Selbstsuche: befreit von den Geistern MIT den Geistern zu leben! So wie sie niemanden mehr zum Erschrecken vorfinden, so ist auch niemand mehr da, der sie töten müsste. Alles führt ein spontanes, paralleles Eigenleben: die bedürfnislose totale Stille und die vielen Ichs mit ihren extrem widersprüchlichen lauten Bedürfnissen. Hätte ich noch mein manisch-panisches Ego im Zentrum der Wahrnehmung, wäre der Mensch davon restlos überfordert: es würde mich von innen wie ein Virus auffressen oder sogar in den Selbstmord treiben. Das Leben OHNE MITTE ist eine Erlösung vom Ego, OHNE ZUERST biografische Traumata lös(ch)en zu müssen, um sich die Befreiung anständig ordnungsgemäß zu verdienen! Wäre ich ein berühmter Psychiatrie-Professor geworden, dessen Stimme von konservativen Kritikern "spiritueller Suche" ernst genommen würde, hätte ich mein gesamtes Lebenswerk darauf ausgerichtet, eine Reform in der klinischen Sicht auf Ursachen geistiger Störungen anzustreben (auf die simple Formel gebracht: nicht das Trauma muss weg, sondern das EGO, das ein Trauma HAT), aber da ich nunmal leider nur zu der gebrandmarkten Gruppe "ehemaliger Patienten" zähle, begnüge ich mich damit, aus der randlosen Randzone der Gesellschaft heraus solche Artikel wie diesen zu verfassen, wenn sie von selbst passieren, und einem sozialen Job nachzugehen, für den ich früher weder Kraft noch Kompetenzen gehabt hätte, da "ich" noch gar nicht wirklich "da" war, um die Welt zu spüren. Neuerdings spiele ich wieder Klavier (Nondualjazz); denn es ist mir jetzt endlich nach 30 Jahren Abstinenz möglich, die Finger so frei über die Tasten hinweg gleiten zu lassen, wie ich es damals schon visionierte, als ich noch jemand war, der alles aus seinem Ego heraus MACHEN wollte (noch schlimmer: um "sich" darin dann "selbst" zu finden!) - anstatt es geschehen zu lassen...
Gastbeitrag für die LIGA DER LEEREN 2025
DAS SCHEINPARADOXON DER SELBSTAUFLÖSUNG
(EMOTIONALE REIFE & ICHLOSIGKEIT)
Bei der Frage, ob oder welchen Zusammenhang es zwischen "emotionaler Reife" und "Ichlosigkeit" geben könnte, müsste man natürlich zunächst klären, was eigentlich mit "Reife" gemeint ist. Abgesehen davon muss ich persönlich tief in der Vergangenheit graben, um die Erinnerung an das ÜBERFORDERTE Ichgefühl wachzurufen:
Bei/nach meiner damaligen temporären Auflösungserfahrung am 5. Mai 1989 war mein allererster Gedanke während oder kurz nach dem Vorfall nicht etwa ein erleichtertes Gefühl von Erleuchtung oder Erwachtsein, sondern die ziemlich schockierende Erkenntnis "ACH DU SCHEISSE" (wortwörtlich! ich habe es heute noch im Ohr!), weil gesehen/gespürt wurde, dass es keine "andere" (transzendente) Seite gibt, auf der man "ankommen" könnte, wenn das Ich verzweifelt versucht, sich selbst irgendwie loszulassen, um seine vermeintliche "Mitte" (das Zentrum, Selbst, Gott, Liebe, Jenseits, göttlicher Wille etc pp) zu finden, sondern diese nicht selbstgemachte Disidentifikation, die plötzlich passierte, dazu führt, dass sich die ichlose Wahrnehmung selber ALS das unendliche Sein empfindet anstatt als separate Identitätseinheit mit einem Willen zur Macht. Diese schizoide Spaltung der Wahrnehmung in einen Ichgedanken, der glaubt, dem "Ganzen" wie ein Beobachter gegenüber zu stehen, fällt einfach weg, und der Mensch SPÜRT "SICH SELBST" ALS DAS GANZE SEIN, ohne sich ein sogenanntes Selbst einzubilden. Wäre diese Ichlosigkeit damals aktiv geblieben, hätte es kein Ichgefühl mehr gegeben, das damit klarkommen musste, weder existenzialphilosophisch noch emotional. Aber der Ichgedanke kehrte zurück und bescherte mir einen fast 3 Jahrzehnte dauernden Höllenritt durch Psychosen, Visionen, paranormale Erscheinungen, kreative Kompensationsprozesse, transpersonale, kosmische, telepathische, mystische, übersinnliche oder sonstwie zu benennende esoterische Zustände, weil das Ich wie besessen davon war, dieses Gefühl der Selbstauflösung wiederfinden zu wollen, es zu besitzen, es zu kontrollieren und darin eine sichere seelische Heimat zu finden. Mein Ich war quasi süchtig geworden nach seiner Selbstauflösung, als wäre es unter Einfluss von einer psychedelischen Droge in ein überirdisches Licht getaucht worden und hätte nun Entzugserscheinungen in der vermeintlichen Dunkelheit der Welt.
Du fragst jetzt: Fehlte also dem Ich eine emotionale Reife als Grundlage, um die Ichlosigkeit zu ertragen? Nein! Diese Frage entspringt einem absurden Scheinparadoxon, denn logischerweise bedarf eine Illusion keiner Reife, wenn das zu Ertragende erst durch die Auflösung der Illusion zum Tragen kommt. Das unendliche Gewicht der Leere entfällt, wenn es keinen Träger gibt, der die Leere als Objekt zu ertragen versucht. Denn diese Leere ist kein Objekt und hat darum auch kein Gewicht für niemand. Die angebliche Schwere der Erfahrung wird nur von der Ich-Illusion als schwer empfunden, schwer erreichbar und schwer zu ertragen. In Wahrheit mangelt es nicht an emotionaler Reife, sondern die simple Information fehlt, dass das Ich keine Identität ist, sondern nur eine Illusion, die alle Gedanken und Gefühle an sich bindet. Der Gedanke "ich" wirkt wie ein Kleister, der alle auftauchenden Emotionen auf sich bezieht und dann mit sich verklebt. Aber es gibt in echt gar kein Ich als Entität, sondern nur einen Ichgedanken, der sich wie ein Virus im Denken festgesetzt hat und stur davon ausgeht, dass das Denken von einem Ich gemacht und gedacht wird. Diese Information fehlte in meinem Fall über all die Jahre; ich hatte nie irgendwo davon gehört oder gelesen, dass es eine zivilisatorische Lüge gibt, die so fest in den kulturgeschichtlichen Fundamenten vieler Gesellschaften verankert ist, dass es scheint, als sei daraus mittlerweile eine irreversible Symbiose entstanden. Das stimmt zum Glück aber nicht! Im persönlichen Einzelfall kann es durchaus geschehen, dass sich diese Symbiose aus Ichglaube und daraus abgeleitetem Alltag wieder löst, ja quasi gelöscht wird, und der klare Blick der "befreiten" WAHR-Nehmung zum Selbstläufer wird, der einen neuartigen Umgang mit dem konkreten Alltag ermöglicht. Wohlgemerkt: es gibt niemanden, der befreit werden müsste! Dieser Jemand ist die Illusion selbst, die gelöscht wird.
Ab diesem Moment im historischen Leben des Menschen erscheint alles, was bis dahin erlebt und erfahren wurde, als eine Matrix, eine Scheinwelt, ein Blöff. Nicht weil es die Welt nicht gibt, sondern genau umgekehrt: weil es NUR die Welt gibt, aber nicht die Person da im Innersten des Orkans, die von sich behauptet, die Welt zu erfahren und zu interpretieren. Diese Ich-Illusion, dieser Irrtum der Interpretation des Seins durch den Ichgedanken ist selbstverständlich auch ein realer Teil dieser Welt. Die Welt ist ein sensationelles kosmisches Karussell mit unendlich vielen Figuren, die wie Sterne umeinander tanzen und wie Planeten um ihre eigene Achse als Derwische kreiseln. Aber die Mitte des Karussells gibt es einfach nicht. Wenn ein Ich in einem Moment diese Ichlosigkeit zu spüren bekommt, stellt es fest: da befindet sich in der Mitte des Orkans nur ein unendliches, rahmenloses Loch, nichts weiter als ein Loch zum Hindurchschlüpfen auf DIESELBE Seite, wo die Rahmenlosigkeit dann offensichtlich wird. Alan Watts nannte das gerne den "unsichtbaren blinden Fleck". Aus diesem Loch haben leider schon früher sehr viele Mystiker und auch heute noch die modernen Varianten der Mystik ein elitäres ekstatisches Objekt gemacht, das nur Eingeweihte, Erleuchtete, Hochsensible, übersinnlich Begabte und Heilige kennen können und anzapfen dürfen wie einen ewigen Energiequell. Das ist natürlich totaler Bullshit und rührt lediglich aus der Verzweiflung des Ichs, seine eigene Nichtigkeit durch abstruse Methoden und Meditationsmaßnahmen verkraften zu wollen.
Sobald Du ein Gefühl an ein Zentrum bindest, weißt Du: Dein Ich ist am Werk! Und sobald Du von Dir meinst, überfordert zu sein, weißt Du: Dein Ich hat Dich feste im Griff! Wenn Du glaubst, noch nicht reif genug für die Ichlosigkeit zu sein, weißt Du: Dein Ichgedanke hypnotisiert die eigentlich freie Wahrnehmung und möchte sich selbst einreden, dass noch mehr optimiert und geübt werden müsse, um endlich irgendwann emotional reif genug zu sein, um als Zenmeister wiedergeboren zu werden. Aber nun schau einmal hin, was für ein langweiliges Leben der Zenmeister traditionell führt: er kocht, wenn er Hunger hat, und er schläft, wenn er müde ist. Darum die neugierige Frage mit erstaunten, weit aufgerissenen Augen: Wer zur Hölle ist denn ER, der Meister, dem man nacheifern wollte? Er ist dasselbe wie Du, nämlich GAR NICHT. Nur steht ihm die Ich-Illusion nicht mehr im Wege, darum liegt das Ziel seiner Handlungen nicht mehr in der Zukunft, sondern am Wegesrand. Der Rand ist zur grenzenlosen Mitte geworden. Seine Augen entdecken beim Vorbeilaufen einen schönen Edelstein, seine Hand greift danach und zeigt Dir dann, was sie gefunden hat: nichts! Die Handfläche ist leer und erscheint als der Edelstein, der da scheinbar am Wegesrand lag.
Nur das Ich macht aus allem ein Objekt und vergöttert dann sein Leben lang die selbst geschaffenen Dämonen, die manchmal wie Diamanten funkeln, aber eigentlich nur diese leere Hand sind, die ihr eigenes Nichtsein begreift...
Gastbeitrag für die LIGA DER LEEREN 2015
Das depressive Ich missbraucht die mystische Erfahrung, um sich mit Leere anzufüllen anstatt sich selbst aufzulösen. Erst das Loslassen von den heiligen Begriffen führt in die echte Bewusstseinsmitte
DIE SPIRI-PSYCHOSE
Von der Notwendigkeit, aus der Erleuchtung aufzuwachen
Hältst Du Dich für erleuchtet oder erwacht? Dann steckst Du mitten in der klassischen Spiri-Psychose oder wie die alten Zen-Meister sagten: Du stinkst nach Zen! Wer hat die Dreistigkeit, das zu behaupten? Der Autor dieses Textes war selbst über zwei Jahrzehnte lang Opfer der Spiri-Psychose - er weiß, wovon er spricht. Heute lache ich nur darüber, aber als ich darin steckte, bemerkte ich gar nicht, mit wieviel psychischem Kraftaufwand ich mir meine Erleuchtung ständig herbeizauberte. Es gibt einen subtilen, aber gravierenden Unterschied zwischen der Einbildung des Erwachens und dem echten Erwachen. Solange Du glaubst, dass Du erwacht seist, kannst Du es gar nicht sein, weil Du es als das Gegenteil vom Schlafzustand empfindest. Erst wenn die Erkenntnis eintritt, dass es den Schlaf gar nicht gibt, passiert echtes Erwachen.
Das sprachlose Zentrum
Aber wie kann diese Erkenntnis eintreten, wenn man sich krampfhaft am Glauben festhält, man hätte den Schlaf überwunden? Das ist das große Geheimnis der echten Erleuchtung, aber es handelt sich eigentlich um kein Geheimnis sondern um Gnade. Denn die Erkenntnis, dass es den Schlafzustand nicht gibt, weil alles im Grunde hellwach ist, geschieht automatisch, sobald etwas anderes, geradezu magisches, vor sich geht: die Heimkehr in das innerste Zentrum des eigenen Körpers, wo diese sprachlose Leere tatsächlich wohnt, die man vor langer Zeit in einer mystischen Erfahrung gespürt hatte. Als diese Erfahrung geschah, warst Du schon so lange daran gewöhnt, jede Gemütsregung als reingeistiges Objekt außerhalb Deines Körpers durch Dein abgespaltenes Ich zu betrachten, dass Du nicht fähig warst, diese unendliche Leere als Dein eigenes Zentrum zu begreifen. Da war dieses Ich, das die Leere wie ein Objekt begutachtete und versuchte, sie in das Gesamtsystem Leben gedanklich irgendwo einzubauen. Der Geist spielte den Streich, sich nicht selbst zu entleeren sondern die Leere nur zu betrachten, sie meditativ zu erfassen. Er füllte sich quasi mit Leere an und behauptete fortan, leer zu sein, obwohl er randvoll mit gedachter Leere war. Welch ein perverses Paradoxon!
Die Theatralik der Erleuchtung
Aber das Ich kann sich nicht lange an dieser letzten spirituellen Illusion festhalten, denn der Energieverschleiss für diesen Selbstbetrug ist gewaltig und führt irgendwann zu einer psychosomatischen Krise. Die kann sich schon bald nach der Erfahrung bemerkbar machen oder erst Jahre danach. In der Zwischenzeit hat man sich womöglich einen Namen als Guru gemacht. Oder man mutierte zum spirituellen Bestsellerautor. Aber es kommt irgendwann dieser Punkt im Leben, da die Erleuchtungspsychose zu anstrengend wird, weil sie zur permanenten Totalsublimation sämtlicher sinnlichen Regungen zwingt. Emotionen werden im heiligen Geschwafel überkompensiert, die Bedürfnisse des lebendigen Körpers dogmatisch sterilisiert. Man kleidet sich nur noch in Krankenhausweiss und lässt sich einen erleuchteten Vollbart wachsen oder rasiert sich als Frau den Schädel wie ein Mönch. Selten dass jemand bei all diesem theatralischen Aufwand doch noch die Kurve kriegt und seinen Selbstbetrug bemerkt. Ram Dass (Richard Alpert) war solch eine erfreuliche Ausnahme. Er konfrontierte seine Anhänger eines Tages mit dem Tabubruch, dass er eine Psychotherapie begann und damit den esoterischen Aberglauben widerlegte, dass die Erleuchtung auch automatisch neurotische Verstrickungen auflösen würde.
Die zweite Erleuchtung
Der einzige vorläufige Vorteil, den die erstmalig auftauchende Mystik für die Psyche hat, liegt in der intellektuellen Distanz zwischen neurotischen Emotionen und esoterisch aufgeblähtem Ego, wo vorher nur Depression oder sonstiger Psychostress herrschte. Aber es kommt irgendwann, wie gesagt, trotz dieser Distanz zu einer Krise, sofern es die Selbstehrlichkeit zulässt; denn die Fütterung des Egos mit Begriffen wie Leere, Licht und Liebe ist nur der Anfang der Meditation, während die wahre Erleuchtung erst durch das Loslassen von diesen Begriffen geschehen kann. Das Erwachen ist kein intellektuelles Problem, sondern wird durch das zwanghafte Festhalten am Intellekt selber verhindert, der sein neurotisches oder integrales Ich konstruiert. Schon Alan Watts hat darauf aufmerksam gemacht, dass das Zentrum des Bewusstseins kein Ich sondern ein Loch ist. Die Rückkehr des Egos in dieses tiefste, innerste Loch, diesen "blinden Fleck" der Selbstwahrnehmung, ist das eigentliche Wagnis der zweiten Erleuchtung, nachdem man sich wie ein vertrockneter Schwamm mit den heiligen Begriffen vollgesaugt hat und diese bis zum esoterischen Exzess zelebrierte.
Das egolose Bewusstseinsloch
Man stelle sich einen spirituellen Lehrer vor, der plötzlich aus seinem Satsangsessel aufsteht und ausruft: Hey Leute, vergesst diesen ganzen Meditationsquatsch! Es gibt weder Leere noch Liebe! Das sind lediglich Einbildungen Eures Egos, das alles loslassen möchte außer sich selbst! Ihr müsst Euch in Wahrheit vom Sprachzentrum befreien, um absolut wortlos von innen zu spüren, dass Ihr da seid. Leer von Begriffen und leer von der Sprache an sich. Ganz von innen. Auf Zellebene. Tiefenorganisch. Autoren wie Jed McKenna betonen den Irrtum, dass wir immer alles außen suchen. Das Ich kann nämlich nur Daten von außen sammeln. Weil das Ich selber nur außen vorhanden ist. In der Selbstreflektion. Wer sich dagegen von innen spürt, braucht dazu kein Ich, sondern wohnt in dem besagten unendlichen Loch des Bewusstseins. Hier fängt eine mystische Ebene an, die tatsächlich rein körperlich spürbar, die sinnlich erfahrbar ist. Ein "spiritueller Materialismus", wie er von manch einem wirklich weisen Autor schon häufig gefordert wurde.
Vakuum statt Quelle
Solange der Mensch in der Spiri-Psychose gefangen ist, trennt er das Universum in dualistische Gegensätze und spielt immerzu eine Seite gegen die andere aus. Weil sich sein depressives Ich so sehr wünscht, dass es einer göttlichen Quelle entspringen möge. Doch der Ozean hat keine Quelle, er ist selber die unendliche Leere. Wir schwimmen nicht in einem Energiemeer sondern schweben durch das unendliche Vakuum. Mystisch-materielles Vakuum. Ein Schock für das Ego, der wachrüttelt. Sofern wir uns von diesem Schock wirklich berühren lassen. Sofern wir aufwachen wollen anstatt nur Aufgewachte zu spielen...
Gastbeitrag für die LIGA DER LEEREN 2017
WAHN UND NIRWANA:
ICH HABE NICHTS ALS DIE GEGENWART
DELUSION AND DIVINENESS: 4 basic lies of modern spirituality and conservative psychiatry are hidden in the creed "I HAVE NOTHING BUT PRESENCE"
Warum sich im Glaubensbekenntnis "ICH HABE NICHTS ALS DIE GEGENWART" die vier aufeinander aufbauenden Grundlügen sowohl der modernen Spiritualität mit ihrem Erleuchtungs- oder Erwachensziel als auch der konservativen Psychiatrie mit ihren kassenärztlich anerkannten Gesprächstherapieformen verstecken:
1) Das sogenannte ICH ist eine rein sprachliche Konstruktion, um alle Sinneserfahrungen in einer angeblichen PERSON zu bündeln, um INDIVIDUALITÄT vorzutäuschen;
2) Der Habensmodus benötigt die Ich-Konstruktion als Gedächtnis, in dem man Erfahrungen festhält, während die tatsächliche Wirklichkeit kein Festhalten ermöglicht sondern nur Fließen erlaubt;
3) Aus der doppelten Enttäuschung über die letztliche Unauffindbarkeit eines wahren Ichs in der Welt (genannt Selbst oder Seele) und dem andauernden Loslassen-Müssen von sämtlichen Erinnerungen, um der dahin fließenden Wirklichkeit frei und motiviert zu begegnen, entsteht die metaphysische Hoffnung auf eine transzendente Instanz: das NICHTS (oder auch Leere, Nirwana, Gott, Paradies), in dem dann das ICH endlich "sich selbst" HÄTTE. Die dabei erfundene Spaltung in Diesseits und Jenseits der körperlich-sinnlichen Bewusstseinserfahrungen des lebendigen, fühlenden, wahrnehmenden Wesens erzeugt eine Urschizophrenie, die wesentlich existenzieller und gesellschaftlich legitimierter ist als jede normale Psychose! Der Mensch konstruiert dadurch nicht nur ein personales Ich, sondern verlagert dessen Authentizität in eine niemals erreichbare virtuelle Ebene. Um diesen schmerzhaften Sinnverlust zu kompensieren, erfindet der spirituelle Sucher genau so wie der scheinbar progressive Psychologe das letzte Heiligtum des vierfachen Irrtums:
4) Die GEGENWART wird zu einem greifbaren, besonderen, meditativ erhabenen Augenblick überhöht, der dem verlorenen, abwesenden, weltabgewandten, transzendentalen Ich eine Rückkehr ins JETZT zwischen Gestern und Morgen, Gerade und Gleich, Verlustschmerz und neuer Hoffnung, Ausatmen und Einatmen ermöglichen soll. Hier möchte das ICH endlich zur Ruhe kommen und sich selber gefunden HABEN. Aber weder das Ich noch das Haben noch das Nichts noch die Gegenwart sind reale Objekte, die besessen werden können. Der Wunsch nach Besitz entpuppt sich beim Ankommen im tatsächlichen Seinsfluss als billige Besessenheit von Glaubensgesetzen der spirituell wie psychologisch verzweifelten Mentalität des gespaltenen, von sich selbst entfremdeten Bewusstseins, das sich irgendwann angefangen hat darüber zu wundern, DASS ES ÜBERHAUPT DA IST, und diesen Schock der primärmystischen Selbsterkenntnis vor seinen Eltern und Lehrern verheimlichen musste, weil Lehrbücher und Alltagszwänge das Einssein des Bewusstseins verhindern: die Gesellschaft verlangt die personenzentrierte Selbstdarstellung als Ich mitsamt dem persönlichen (geistigen wie materiellen) Besitz, der das Individuum definiert, um die kollektive Kommunikation zu kontrollieren. Als Schadensersatz schenkt sie dem Geschockten einen überhöhten Begriff von sinnstiftender Gegenwart als anzustrebendes Urlaubsziel. Erst wenn der Mensch sich irgendwann totgearbeitet und totmeditiert hat, erkennt er seine vier Selbstlügen und ist bereit für DAS SPIRITUELLE BURNOUT des Ichs, das er dann nicht mehr hat und nicht mehr ist! Die subtile permanente Depression war nur der letzte Besitz einer erfundenen Person, bevor es diese Person selber nicht mehr gibt. Der Psychologe würde an diesem Punkt des Prozesses gerne behaupten, dass "jemand" komplett vom religiösen Wahn assimiliert sei, während der Guru vom erleuchteten Nirwana des Aufgewachten spricht, aber beide versuchen den Zustand durch die Brille der vier Lügen zu definieren, die hier nicht mehr greifen: die vier Glaubensgesetze gelten nur für jene, die noch als Ich-Personen etwas haben wollen. Wer das gesamte System überwunden hat, ist kein WER mehr, das irgendwas HAT. Der Seinsfluss fließt einfach dahin und nimmt sich durch alle Sinne bewusst seiend wahr. Kein NirWAHNa nirgends!
Gastbeitrag für das Magazin CONNECTION SPIRIT
Tom de Toys, 9./10.4.2005 © POEMiE™
Ü B E R G R Ö ß E
spürst du die erdwölbung
unter dir das glühende
gewicht der erde
das dich sanft berührt und
durch das universum trägt
spürst du wie unendlich
deine augen durch
den ganzen körper schauen
jede faser öffnet sich
und jede zelle ruft nach licht
du mußt nicht sterben
um ins paradies zu kommen
und du mußt nicht glauben
um die welt in ihrer vollen größe
zu erkennen du
mußt nicht denken und
noch nicht einmal verstehen
du darfst einfach
so erleuchtet sein
durchleuchtet und durchflutet
von der ungeheuren kraft
die zwischen allen welten klafft
der spalt verläuft
in alle richtungen
durch jedes staubkorn
dieser wirklichkeit
dein atem strömt
in alle winkel
deine blutbahn kreist
um die entferntesten planeten
wirbelt durch die galaxien
rast zurück zum heimatschiff
die außerirdische besatzung
nennt sich menschheit
jeder einzelne wird mensch genannt
die erde dreht sich
ja die erde dreht sich
langsam tief und still
um ihren flüssigen uralten kern
dein hirn ist eine wolke
jede wolke wie ein vogelschwarm
die sonne ist ein klitzekleines teilchen
alle sonnen sind ein einziges organ
das ganze universum ist
so klein wie ein atom
vernetzt mit vielen anderen
was kannst du sehen
wenn du dir erlaubst
verrückt zu werden
was kannst du ertasten
wenn du dir bewußtsein gönnst
in jedem wesen lauert dieser rausch
den keine droge je vermitteln kann
es ist das monster der materie
das sich ständig selbst verschluckt
mit einem gnadenlosen grinsen
spült es deine fragen weg
und sagt dir heimlich
nach millionen jahren
endlich klipp und klar
du bist weit mehr als alles
und noch weniger als nichts
durch alle dimensionen
spiegelt sich die botschaft
feierlich und fröhlich
es gibt uns
wir sind das
was