"See, life is spontaneous. It happens —in the words of the Taoists zìrán 自然 , which means 'of itself so'— that's the Chinese expression for nature, what happens by itself. What isn’t pushed, but it just pops up, you see?"
Alan Watts

"Diese Botschaft ist der Kern aller spirituellen und esoterischen Lehren, aber solange da jemand herumtanzt, wird es zur Religion, zur Lehre, zum Konzept, zu etwas Persönlichem. Einheit wird zu etwas, das noch nicht ist, aber von jemandem erreicht werden kann. Die Mischung aus Einblick und Person schafft Spiritualität. Da sehr viele einen oder mehrere Einblicke hatten, sehr wenige aber tatsächlich verpufft sind, gibt es wahnsinnig viel Literatur zu Spiritualität, aber nur relativ wenig Literatur zu dieser Botschaft. Es gibt sie, aber nicht in der Häufigkeit wie persönliche Botschaften."
Andreas Müller: FREIHEIT (2017)

AUSGEWÄHLTE PUBLIKATE

2014 - 2026

Topaktueller Text als Gastbeitrag für die LIGA DER LEEREN im Mai 2026:
Essay NONDUALER NARZIẞMUS? (UPGRADE DER "SPIRI-PSYCHOSE")

BUCHTITEL & BESCHREIBUNGEN



P r e v i e w !   "GESCHMACKLOSES" ERWACHEN?
(Aus dem Vorwort des Buches "DIE PSYCHOLOGIE DER ICHLOSIGKEIT")

 (Taschenbuch, geplant für Herbst 2026, ISBN 9783696352332)


Warum eigentlich dieses Buch schreiben? Ich habe keinen Missionierungseifer. Ich bin nur und war immer ein sozial veranlagter Mensch, daher stelle ich meine Informationen der Neugier anderer Freigeister zur Verfügung. Meine eigene Wahrnehmung ist hier mein eigenes Forschungsobjekt, da ich es selber erstaunlich finde, dass die letzte große Antwort so trivial sein kann, nachdem die spirituelle Suche so qualvoll war. Auf meinem Lebensweg bin ich außerdem vielen Menschen mit psychiatrischen Diagnosen begegnet, deren Leben teilweise bereits zerstört war, durch die Symptome, die Medikamente und vor allem den Irrglauben, ein Ich zu haben, das all diese Traumata, Psychosen, Depressionen und Suizidwünsche hätte. Darum macht es mich sehr traurig zu sehen, dass diesen liebenswerten Menschen nicht geholfen werden kann, weil ihnen die Psychiatrie nicht beibringt, die Ich-Illusion aufzulösen, sondern eifrig bemüht ist, das kranke, kaputte Ich zu reparieren, optimieren, auszubalancieren, zu enttraumatisieren (was allerdings nur in fragiler Symptomverwaltung mündet) und alltagstauglich und arbeitsfähig zu machen, was zumeist wenn nicht in klinischer, so doch zumindest in medikamentöser Langzeitfolter endet. Warum sollte ich mein gesammeltes Wissen nicht zur Verfügung stellen, nur weil es bei mir kein Ich gibt, das das tun MUSS? Statt Däumchen zu drehen und mich "egoistisch" an der Schönheit des Wunders UNIVERSUM zu erfreuen (wozu Gott, Sinn und irgendeinen esoterischen Überbau für etwas, das in sich selbst schon ein Wunder zum Staunen ist!), habe ich seit 2014, als mein Ich "verpuffte", wie es Andreas Müller nennt, bereits einige Menschen in ihrem Prozess unterstützen können, die z. B. vorher viel Geld für sektiererische Events ausgaben (Retreats, Gurus, Workshops, Ausbildungen zu Quantenquatsch & Co.) und dank meines "brutalen" Feedbacks kapieren, dass sie sich SELBSTHYPNOTISCH im Kreise drehen. So wie Du vielleicht auch? Aber vielleicht strebst Du gar nicht das triviale "Erwachen" an, sondern möchtest Deine Selbstlüge so wie der Verräter im Film MATRIX lieber im virtuellen Geschmack von Fleisch vergessen? Halt, es ist in Wahrheit andersrum: der Geschmack ist nämlich absolut echt, aber das Ich, das behauptet, der Schmeckende, Riechende, Beissende zu sein, das ist virtuell. GESCHMACK an sich ist ja wundervoll, eine sensationelle Eigenschaft der Natur, sowohl für Tiere, Menschen als auch erwachte Scheinheilige. So mancher Guru wurde daher bei Alkoholkonsum und verbotenem Sex erwischt und ihm darum von seinen enttäuschten Anhängern die Lizenz zum Erleuchten entzogen. Das echte, absolute Leben IST nunmal sinnlich, oder wie der Slogan es auf den Punkt bringt: "ICH SCHWITZE, ALSO LEBE ICH!" Das Entscheidende liegt darin, dass es einfach kein "inneres Ich" gibt, kein identitäres Bewusstseinszentrum, das "Geschmack" und das gesamte sinnliche Echtsein als sogenannte SELBSTerfahrung verarbeitet und dann von sich sagt, "mir" hätte es gut geschmeckt, einer imaginären Person in einem zum Korsett degradierten, tabuisierten und aufgrund seiner Vergänglichkeit verteufelten Körper. Dieser Identitätsirrglaube basiert auf einem traditionellen Missverständnis des völlig überstrapazierten Wörtchens Ich, das eine rein grammatikalische Funktion erfüllt, um eine konkrete Position des realen Menschen zu kommunizieren, nicht aber ein metaphysisches Hirngespinst. Darum sind auch sämtliche anderen Hoffnungen reiner Aberglaube, wie z. B. das beliebte Gerede vom Abgespaltensein des Ichs und dessen Sehnsucht nach Einswerdung bei gleichzeitiger Angst davor, sich auflösen zu müssen, um eins zu sein, weil geglaubt wird, die ganze Existenz sei erbarmungslos Ich-gesteuert, ja sie bestünde überhaupt nur, weil ein angebliches Ich sie totalitär (er)führe. Das wesentlich Schockierendere an diesem Affentheater ist aber die Tatsache, dass sowohl das Getrenntsein als auch das Einssein eine Selbstlüge des suchenden oder vermeintlich gefundenen Ichs darstellt, weil dieses Ichgefühl selber nur eine gedankliche Fiktion ist, die das Denken wie ein Virus befallen hat und alle Wörter zu einer gigantischen Blase verklebt, die sich als Psyche aufspielt und die Menschheit virtuell versklavt. Die simple Wahrheit lautet leider: NIEMAND ist eins mit etwas oder mit etwas Ganzerem verbunden. Da ist schlichtweg niemand, der das sein könnte. Die frohe Botschaft lautet stattdessen: ALLES IST einfach eins, zwei, null und miteinander verbunden. Das ist DAS GANZE, das sich in seinen einzelnen Eigenschaften erfährt, die als Objekte der Wahrnehmung auftauchen und dann wie Wolken wieder verschwinden.


BODENLOS VERWURZELT WIE EIN STERN: Sonderausgabe zum 40.Jubiläum: 151 GEDICHTE FÜR FREIGEISTER - Neuropoesie 1985-2025

(Taschenbuch 12. Dezember 2025)


"DIREKTE" SYNTHESE AUS MYSTIK & LYRIK: Vier Jahrzehnte nach seinem ersten erhaltenen Gedicht von 1985 meldet sich nun ein Dichter der wilden 90er mit einem 40 Schaffensjahre umfassenden Jubiläumsband zurück, der an den 1993 im Kölner Claus Richter Verlag erschienenen "JeDaZeitBereit" anknüpft. Das "Düsseldorfer Dichtermonster" (F.A.Z. 1997) De Toys vereint im Best-of-Werkquerschnitt "BODENLOS VERWURZELT WIE EIN STERN" aus dem mittlerweile über 3000 Gedichte umfassenden Oeuvre jene 151 GEDICHTE FÜR FREIGEISTER von 1985-2025, die seine transreligiöse Lochismus-Lebensphilosophie programmatisch umkreisen - gemäß seiner Poetologie einer antimetaphorisch-direkten Neuropoesie. Wer bislang nur aus Szene-Literaturmagazinen wie der österreichischen "perspektive" einzelne Texte von De Toys kannte oder ihn auf literarischen Bühnen als Rezitator erlebte wie 2010 beim Weltpoesietag im Düsseldorfer zakk oder schon 1996 im Kunstpalast als "Das Rilke Radikal" mit experimentellem Sprechgesang von einem Trompeter begleitet, hat jetzt die Gelegenheit zur repräsentativen Lektüre des Schwerpunktthemas, das den Lyriker seit seiner mystischen Loch-Erfahrung am 5.5.1989 beschäftigt. / Das neuropoetische Standardwerk für Bewusstseinspioniere! / Die ultimative "Best of Poemie" Compilation aus 40 Schaffensjahren! / Lyrik aus dem 23. Jahrhundert zur Rettung der Zukunft!


RADIKALE RESILIENZ: Das Tabu der Psychiatrie, Teil 2: Der Nondualist - Gastbeiträge für die Liga der Leeren 2021-2025

(Taschenbuch 21. März 2025)


Wie Du Deinen Identitätswahn überwindest! Das Ego als Urtabu konservativer Psychiatrie! Warum Du kein Trauma hast, sondern nur Dein Ich! Das Tabu der Psychiatrie ist das EGO, dem die Psychiater wie einem transzendentalen Gott huldigen. Wenn sich Atheisten wundern, wie die Menschheit einem metaphysischen Phantom verfallen konnte, so vergessen sie das URTABU, aus dem heraus die Erfindung eines Gottes nur möglich war: das EGO. In einigen Jahrhunderten wird sich die egobefreite Menschheit fragen, wieso wir eine psychische Meta-Instanz benötigten, um mit dem Leben klarzukommen. Für unsere Nachfahren wird rückblickend erkennbar sein, dass wir einem ähnlichen Wahn wie dem Gotteswahn verfallen waren: dem IDENTITÄTSWAHN. Jetzt wird deutlich, wie deckungsgleich die Dogmen der Spiritualität und der Psychiatrie sind, weil beide Disziplinen auf dem Irrtum basieren, es gäbe ein Ego, das entweder meditativ aufgelöst oder medikamentös in Balance gebracht werden müsse! Da es sich bei einer mystischen Erfahrung weder um eine Psychose durch Dissoziation handelt noch um echte Ego-Auflösung, sondern um die Überhöhung eines realitätsvermeidenden Ich-Anteils zur (heilsamen oder hilflosen) Relativierung anderer, richtet sich meine Kritik gleichermaßen an die Spiritualität wie auch an die Psychiatrie: ganz egal, ob Du Dein Ego loswerden oder pflegen willst, Du bist in beiden Fällen ein Ego-Gläubiger, der sich mit einer Erfindung beschäftigt, die ihn davon abhält, DAS ECHTE LEBEN ZU SPÜREN! Das EGO erzeugt Seinsvergessenheit. Das Ego IST das Trauma.


SENIORENZEN: Integrative Empathie durch ZEITLUPENBEWUSSTSEIN: AKTIVIEREN STATT PASSIVIEREN!

(Taschenbuch 15. Januar 2025)


Erweiterte Neuauflage 2025 des Originals von 2019: EIN RADIKALER RATGEBER FÜR MOTIVIERTE, KREATIVE BETREUUNGSKRÄFTE! / Konkrete Argumente, um trotz Personalmangel korrekt zu arbeiten! Wie Du trotz Hektik und Mobbinggefahr fähig bleibst, entschleunigt zu betreuen! / Einführung in das psychosoziale Konzept der "Integrativen Empathie" aus den drei Basiskompetenzen Offenheit, Geduld und Neugier. Das Buch thematisiert das sogenannte Zeitlupenbewusstsein, das unserer hektischen, panischen, gestressten Gesellschaft noch fehlt. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen als Betreuungskraft bei den großen Trägern (CARITAS, DIAKONIE, AWO) und einigen Rendite-Haien, analysierte der Autor sowohl systemische Fehler als auch mangelnde menschliche Fähigkeiten, um seine Vision des "AKTIVIERENS STATT PASSIVIERENS" allgemeinverständlich zu formulieren. Die Kurzversion eines hier erstmals veröffentlichten Originalessays erschien im Mai 2022 als EXPERTEN-TIPP im Altenpflege-Magazin "Aktivieren". Im Sommer 2025 erschien im selben Fachblatt zudem ein Kurzinterview mit dem Autor über seine Erfahrungen in Seniorenheimen und dem daraus entwickelten Ansatz des Zeitlupenbewusstseins.


DAS ABSOLUT WAHRE BUCH: Lesbare Live-Literatur (Prosa, Poesie, Poetologie und ein Pamphlet)

(Taschenbuch 30. September 2024)


Diese avantgardistisch-ekstatische Publikation hat das nobelpreisverdächtige Potenzial zu poetisch schockierendem Entertainment, obwohl es im titelgebenden Text eigentlich programmatisch heißt: "Dieses Buch ist einzig und allein dazu da, ein Buch zu sein. Das führt dazu, dass es keinerlei Unterhaltungswert hat und auch keinerlei Information enthält, die über das hinausgeht, was Dir ohnehin schon bekannt vorkommt. Es enthält lediglich Sätze, die darum kreisen, dass das Objekt, das Du in diesem Moment in der Hand hältst, tatsächlich ein Buch ist. Dieses Buch hat keine andere Aufgabe als einfach nur ES SELBST zu sein." Was das trotz des offensichtlich slamtauglichen Mehrwerts vieler der Ausnahme-Texte bedeutet, erfährt der Leser in 9 metapoetologischen und psychophilosophischen Essays, 1 kulturpolitischen Pamphlet und 12 explosiven Gedichten, die in der deutschen Lyrikszene eine Sonderstellung einnehmen, da sie als popliterarisch verpackte Analysen von spirituellen & poetologischen Themen sowohl auf der besoffenen Bühne von Poetryslams als auch bei der meditativen Lektüre im Bett oder im akademischen Hörsaal funktionieren!


UNIFORM UND UNIVERSUM - Vom Fahrgastbegleiter zum Friedhofsfahrer: Tagebuch eines Trauerchauffeurs, Band 2

(Taschenbuch 22. Juli 2024)


BAND 2 DER REIHE ! Als Rheintaxi-Chauffeur schrieb ich das Buch "RU[H]R RÄTSEL". Als Chauffeur des Trauertaxis reflektiere ich, was mir durch den Kopf und vor allem durchs Herz geht. Als Betreuungskraft suchte ich während der Coronakrise vergeblich nach einem passenden Job in einem Pflegeheim: bei der Caritas war ich gezwungen, selber zu kündigen, da ich bzgl. des Covid19-Krankenhausentlastungsgesetzes kriminalisiert wurde und bei der Diakonie endete das Vorstellungsgespräch, weil ich mir nicht "vorstellen kann, wieder eine Konfession anzunehmen". Aber ich habe noch viel Schockierenderes beim Hospitieren erlebt, sowohl bei anderen großen Trägern als auch in Heimen, die von Immobilienhaien gekauft wurden. Umso mehr freue ich mich, meine Kompetenzen als Betreuer & Chauffeur als Fahrer des sogenannten "Friedhofsmobils" auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof einsetzen zu können und dadurch wieder SOZIAL NÜTZLICH zu sein.


UNIFORM UND UNIVERSUM - Über spirituelle Spontaneität beim Menscheln: Tagebuch eines Fahrgastbegleiters, Band 1

(Taschenbuch 6. März 2023)

BAND 1 DER REIHE ! LESEPROBE: "Das Verrückte an unserer Verdrängungskultur: wir verwechseln Spiritualität und Spontaneität mit Instabilität, ein spirituell spontaner Mensch flößt uns Angst ein, weil der gesunde Menschenverstand meint, dass er ein Risiko sei: Verfügt der überhaupt über die nötigen Kompetenzen? Bewahrt er im entscheidenden Augenblick den klaren Blick? Wird er mit angemessenem Sachverstand handeln anstatt alles seelisch zu übertreiben? Das Menscheln ist zur Privatsache verkommen, auf der Tanzfläche dürfen wir ausflippen, abstürzen und dreckige Witze reißen. Aber am Montagmorgen sitzen wir im Büro und sortieren Daten. Das Erschreckende ist die Tendenz, sogar das professionelle Menscheln aus jenen Berufen zu verbannen, deren Erfolg auf die spirituelle Spontaneität angewiesen ist, also Jobs im psychologischen, sozialpädagogischen, medizinischen und pflegerischen Kontext."


SYMPTOMFREI OFFLINE - 60+3 brauchbare Texte: 45 neue definierte Gedichte, 4 definierte Essays und 11 definierte Rezensionen 2020 - 2022

(Taschenbuch 1. Januar 2023)


Über das Buch mit 63 ausgewählten "definierten" Texten: In den beiden Corona-Jahren entstanden sowohl sehr politische als auch metapoetologische Gedichte, die teilweise in Szeneorganen wie z.B. der Greifswalder Lyrikzeitung und dem Grazer Magazin perspektive sowie in der Anthologie zur Lesung "POESIEPANDEMIE: LYRIK LEBT WEITER!" oder als Poetryclip auf den Socialmedia-Kanälen/Accounts YouTube, TikTok und Instagram veröffentlicht wurden, zum größten Teil aber bislang unveröffentlicht blieben. Die Sammlung aus 45 neuen als "definiert" bezeichneten Gedichten, 3 thematisch relevanten aus alten Zeiten (1991, 1994, 2010) sowie 4 Essays und 11 ausgewählten Buchrezensionen zum Thema "Ichlosigkeit" schließt daher die Lücke im Gesamtwerkprozess.


DAS BUCH AN SICH: Vorwort der neuromagnetischen Antibiografie

(eBook 16. November 2021)


Das eBook mit dem Vorwort der kommenden Anti-Autobiografie des Multimedia-Lyrikers Tom de Toys ist das erste Puzzleteil der anekdotischen Aufbereitung seiner unzähligen paranormalen Lebensereignisse, die ein völlig anderes Bild von der Persönlichkeit des Autors und der "neuromagnetischen" Logik seines Lebensweges zeichnen als die bislang öffentlichen Selbstdarstellungen vermuten lassen. Der Dichter berichtet in einem ichlosen Stil von extrem merkwürdigen bis geradezu mystischen Ereignissen, die bereits in der Kindheit dazu führten, daß er in einen zen-buddhistisch anmutenden Zugang zur Natur der Dinge und des gesamten Universums eingeweiht wurde. Diese teilweise schockierenden oder zumindest irritierenden Geschichten bewegen sich nicht nur auf der Grenzlinie zwischen Psychose und Erleuchtung, sondern vorallem wie aus so manchen bekannten Science-Fiction-Filmen geklaut, sind aber tatsächlich absolut sinnlich-reale Erlebnisse ohne prosaische Beschönigung, die De Toys nicht ohne Grund eigentlich als sein Lebensgeheimnis mit ins Grab nehmen wollte. Erst als eine Freundin ihn bat, seine wahre Lebensgeschichte für die Nachwelt zu dokumentieren, entschied er sich, in den vielen Erinnungen zu kramen und zu erzählen, was erzählbar ist, obwohl er als Erfinder der Quantenlyrik so ziemlich das Gegenteil von einem echten Erzähler ist. Daher benötigte er allein für das VORWORT über 10 Jahre und verwarf unzählige Versuche, die er schon vom ersten Satz an als zu unliterarisch und nicht der Sache gerecht werdend empfand. Der nun erstmalig veröffentlichte aktuelle Entwurf muss seine Brauchbarkeit auch erst im Laufe der Niederschrift aller weiteren Buchkapitel erweisen und könnte sich schlimmstenfalls sogar am Ende dieses Buches "an sich" als unangemessen herausstellen. Trotzdem ist damit nun endlich ein Anfang gesetzt und der Prozess der gesamten Niederschrift zunächst eröffnet!


METAMOTIVATION IST MÖGLICH: Existenziell statt Elektronisch gewonnene Erkenntnisse für das 23. Jahrhundert. Manifeste, Antiprosa, Neuropoesie & mehr: Werkquerschnitt durch alle 27 Bücher 2014 - 2020

(Taschenbuch 4. Januar 2021)


Im G&GN-Verlag erschienen im Laufe von 30 Jahren 200 Copy-Art-Hefte von Tom de Toys. De Toys zählt zu den letzten Autoren der analogen Undergroundliteratur des letzten Jahrhunderts. Wer in jüngerer Zeit ein Werk von ihm lesen wollte, aber sich nie zwischen den 27 lieferbaren Büchern entscheiden konnte, die er seit 2014 im BoD Verlag herausbrachte, wird sich jetzt freuen: das vorliegende Buch ist eine Very-Best-Of Auswahl aus all diesen 27 Publikationen und enthält daher sowohl seine besten ekstatischen Gedichte als auch die radikalsten psychophilosophischen Essays - aber vorallem als Kernstück die 24 Manifeste aus der früheren Originalausgabe. So manch ein Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker meint, daß die Avantgarde-Ära der Manifeste vorbei sei, da keine neuen Stile und Ismen erfunden würden. Aber gerade in der jüngeren Zeitgeschichte mit einer neuen Weltproblem-engagierten Generation wird dieses Format wieder salonfähig, zumal auch die von De Toys erfundene Quantenlyrik in 3 Manifesten dokumentiert ist, ebenso die E.S.-Theorie "echter, erfüllter" Liebesgedichte (Erweiterte Sachlichkeit), wodurch seine Manifeste ohnedies visionären Charakter haben und als poetologische Forschung die Metamotivation seines Primärwerks erläutern. Der Titelbegriff stammt aus einer anderen Disziplin und ist beinahe in Vergessenheit geraten: 1968 hat Abraham Maslow die Theorie der nicht-defizitären, transpersonalen Grenzerfahrungen in seinem bahnbrechenden Spätwerk "PSYCHOLOGIE DES SEINS" formuliert. Über fünfzig Jahre später scheint sich die menschliche Wahrnehmung in zwei radikal entgegengesetzte Richtungen zu bewegen: während immer mehr Menschen der Massenhypnose durch elektronische Unterhaltungsmedien verfallen, wachen auch immer mehr Menschen aus dieser eindimensionalen Scheinwelt auf und disidentifizieren sich von der globalen, objektbesessenen Konsumlandschaft. Das Best-Of-Poemie-Buch "METAMOTIVATION IST MÖGLICH!" des 1968 geborenen Autors Tom de Toys enthält eine umfangreiche Auswahl-Sammlung seiner wichtigsten poetischen Erkenntnisberichte aus den Sphären der Bewusstseinserweiterung, die dem Leser Mut machen wollen, den eigenen Erleuchtungsprozess voran zu treiben und seine Seele nicht von der Matrix der massenmedialen Scheinwelt auffressen zu lassen. Ein Leben jenseits der elektronischen Bildschirme ist möglich - eine Wahrnehmung des Seinsganzen unabhängig von religiösen und politischen Systemen.


DAS TABU DER PSYCHIATRIE: Der ungelöste IDENTITÄTSWAHN durch die Urschizophrenie der traditionellen Objektkultur: das EGO ist das TRAUMA!

(Taschenbuch 17. Juni 2020)


Das Tabu der Psychiatrie ist das EGO, dem die Psychiater wie einem transzendentalen Gott huldigen. Wenn sich Atheisten wundern, wie die Menschheit einem metaphysischen Phantom verfallen konnte, so vergessen sie das URTABU, aus dem heraus die Erfindung eines Gottes nur möglich war: das EGO. In einigen Jahrhunderten wird sich die egobefreite Menschheit fragen, wieso wir eine psychische Meta-Instanz benötigten, um mit dem Leben klar zu kommen. Für unsere Nachfahren wird rückblickend erkennbar sein, daß wir einem ähnlichen Wahn wie dem Gotteswahn verfallen waren: dem IDENTITÄTSWAHN. Jetzt wird deutlich, wie deckungsgleich die Dogmen der Spiritualität und der Psychiatrie sind, weil beide Disziplinen auf dem Irrtum basieren, es gäbe ein Ego, das entweder meditativ aufgelöst oder medikamentös in Balance gebracht werden müsse! Da es sich bei einer mystischen Erfahrung weder um eine Psychose durch Dissoziation handelt noch um echte Ego-Auflösung, sondern um die Überhöhung eines realitätsvermeidenden Ich-Anteils zur (heilsamen oder hilflosen) Relativierung anderer, richtet sich meine Kritik gleichermaßen an die Spiritualität wie auch an die Psychiatrie: ganz egal, ob Du Dein Ego loswerden oder pflegen willst, Du bist in beiden Fällen ein Ego-Gläubiger, der sich mit einer Erfindung beschäftigt, die ihn davon abhält, DAS ECHTE LEBEN ZU SPÜREN! Das EGO erzeugt Seinsvergessenheit. Das Ego IST das Trauma.


DAS DESINTERESSIERTE KLAVIER: Die Nondualjazz-Klavierreform von Thomas Holzapfel 1986 heute

(Taschenbuch 28. Oktober 2019)


Nach über 3 Jahrzehnten Abstinenz begann Thomas Holzapfel 2019 wieder, seine Vision einer Musikreform namens DAS DESINTERESSIERTE KLAVIER als "mühelose Musik" in einigen Tonaufzeichnungen zu dokumentieren. Die Mühelosigkeit fehlt ihm in den Klavierstilen aller Epochen: es dominiert das bemühte Sehrrichtigmachen und Nochbesserwerden. Der Hang zur perfekten Darbietung einer Melodie, eines Lebensgefühls oder einer Botschaft und die zwanghafte Nachahmung sogenannter Genies verhindert, dem ichlosen Lauf der Finger über die Tasten zu folgen. In dem Buch sind alle Gedichte und Essays vereinigt, die den nondualen Freejazz-Ansatz von T.H. als radikal-improvisierten Musikstil erläutern, der sich insgeheim auf die transspirituelle Lebensphilosophie des Nullyoga bezieht...


LYRIKYOGA: Gestisch-gymnastische Lyrikrezitation bei Demenz und Depression

(eBook 27. Dezember 2017)


Integrales Hirnjogging - keine einschläfernde Vorlesestunde mehr: poetische Wörter rituell wiederholt mit gymnastischen Gesten ausdrücken! Die LYYO-Methode der Zeitlupen-Rezitation eignet sich nicht nur für Demente und Depressive sondern jeden Literaturbegeisterten, der tiefer in die Zauberkraft der Sprache eindringen will anstatt ein schwieriges, modernes Gedicht einfach nur "schnell runter zu lesen". In der Runde können nach der Begrüßung zunächst großformatig laminierte Fotos der literarischen Objekte herumgereicht werden, um das visuelle Gedächtnis anzutriggern, den Geist quasi vorzuwärmen. Danach beginnt die rituelle Rezitation der einzelnen Wörter, für die jeweils kleine Gesten erfunden werden, die den Wortinhalt symbolisieren. Nach über 20 Jahren Selbsterfahrung als Lyrikperformer und Taijiquan-Praktizierender kombiniere ich mein Wissen mit dem, was ich im Betreuungsalltag mit Senioren erlebe, um ein interdisziplinäres, integrales Aktivierungsangebot zu schaffen, das Minimalsport mit Hirnjogging und Gegenwartslyrik verbindet und eine Abwechslung zur normalen Vorlesestunde darstellt, bei der viele einschlafen, weil sie von zu viel Text zu schnell hintereinander geistig überfordert und dabei körperlich unterfordert sind. Was z.B. in Sitztanz-Gruppen mit Musik versucht wird, geschieht beim LYrikYOga mit gesprochener Poesie: einzelne Wörter und kurze Gedanken werden beim Rezitieren theatralisch ausgedrückt. Je nach körperlicher Beweglichkeit und geistiger Anwesenheit des Klientels kommt es zu extrem minimalen Gesten oder auch zu regelrecht gymnastisch anmutenden, ausschweifenden Reaktionen. Das Gedächtnis und die geistige Anwesenheit an sich wird durch die poetischen Begriffe angeregt und durch die Kopplung an körperlich-theatralische Stimulationen ganzheitlich aktiviert. Demente und Depressive erfahren dabei ganz frei von irgendeinem Leistungsdruck ihre eigenen kleinen Glücksmomente und helle Gemütszustände, die den Tag nicht nur versüßen, sondern dadurch nebenbei auch therapeutisch wirken.


NAHZONE - Keine Sekte! Keine Partei!: Ontologische Opposition: Urnähe als Selbstgefühl

(eBook 26. September 2017)


Die mittlerweile 4 Essays dieses kostenlosen eBooks in der 2.Auflage hätten thematisch gut in das Buch "NULL NERD" gepasst, das aber zum Zeitpunkt ihrer Niederschrift bereits erschienen war. Andererseits bilden sie nun als separates eBook einen geeigneten Ausgangspunkt für die zukünftig notwendige neurosoziologische Diskussion über den Zusammenhang von SPIRITUALITÄT & POLITIK vorallem in bezug auf jene wachsende Menschenmenge, die WEDER EINER PARTEI NOCH EINER SEKTE angehören wollen, da sie ein völlig neuartiges Lebensgefühl entwickelt haben, das noch nicht genügend in der Gesellschaft thematisiert wird und als eine "ontologische Opposition" zum Dogmenzwang der Urpsychose (die Ich-Illusion) bezeichnet werden kann... 


NULL NERD: Natürliche Nondualität

(Taschenbuch 25. August 2017)


Mit einem Nachwort von Wolf Sugata Schneider. Parallel zur transreligiösen Poesie entstanden im Laufe der Jahre immer wieder Essays zu seinem Hauptthema, der Frage danach, was das Bewußtsein und das Sein an sich eigentlich für das sich von innen fühlende Subjekt sind. Aus einer nondualen Mystik entwickelt De Toys dabei als Essenz seines perinzendentalen Existenzgefühls den Begriff der "Grundlosen Inwesenheit", die den Dualismus aus Anwesenheit/Abwesenheit in einem transspirituellen Spürsinn überwindet. Die meisten der hier versammelten Gedichte und Essays erschienen 2014-2016 im Magazin CONNECTION SPIRIT sowie als Gastautorenbeiträge für die LIGA DER LEEREN (LDL).


PRÄSENZKRAFT: Crashkurs Neuroatheismus

(eBook 31. August 2017)


Parallel zur transreligiösen Poesie entstanden im Laufe der Jahre immer wieder Essays zu seinem Hauptthema, der Frage danach, was das Bewußtsein und das Sein an sich eigentlich für das sich von innen fühlende Subjekt sind. Aus einer nondualen Mystik entwickelt De Toys dabei als Essenz seines "perinzendentalen" Existenzgefühls den Begriff der "Grundlosen Inwesenheit", die den Dualismus aus Anwesenheit/Abwesenheit in einem transspirituellen Spürsinn überwindet. Die 10 hier ausgewählten Essays und Gedichte entstammen dem Buch "NULL NERD" und dienen als einfacher, schneller eCrashkurs zur Lebensphilosophie des nondualen Neuroatheismus. Das eBook enthält zusätzlich exklusiv zwei Farbabbildungen von Zeichnungen des Autors!


NEUROATHEISMUS: 21 transreligiöse Gedichte 1989-2015

(Taschenbuch 12. August 2015)


Lyrik für ein solidarisches Weltbürgertum. Lyrik für eine Vision des Weltfriedens. Lyrik für die seelische Voraussetzung von respektvoller Mitmenschlichkeit. Neuropolitik ohne Dogmen. Ekstatische Erkenntnisse: Der Autor hat nach 30 Jahren auf über 2000 Gedichte zurückgeblickt und jene 21 ausgewählt, die zum Weltkulturerbe zählen sollten. Denn es geht um nichts geringeres als die TOTALE GEISTIGE FREIHEIT der Menschheit. Die transreligiöse Zukunft hat längst begonnen, aber das neuroatheistische Upgrade für die Gesellschaftssysteme fehlt noch. Mithilfe dieser 21 ausgewählten Gedichte kann sich jeder selbst philosophisch updaten und dadurch auf die Zukunft vorbereiten! Ein seelischer Zustand jenseits der Matrix der kollektiven Hypnose - ohne Drogen, ohne Meditation, ohne Therapie! Nur durch die Lektüre! Mystik frei von esoterischen Ideologien am Nullpunkt der Psyche. Poesie als Grundnahrungsmittel zur Befreiung der Seele von Lügen und Illusionen...


GRUNDLOSE INWESENHEIT: 22 Ekstatische Essays 1992-2015

Taschenbuch 24. Juli 2015)


Parallel zur Neuropoesie entstanden im Laufe der Jahre immer wieder einzelne ekstatische Essays zu seinem Hauptthema, der Frage danach, was das Bewußtsein und das Sein an sich eigentlich für das sich von innen fühlende Subjekt sind. Aus der Sicht einer nondualen Mystik entwickelt der Autor dabei seinen zentralen Begriff der "Inwesenheit" als Essenz seines eigenen "grundlosen" Existenzgefühls, das den Dualismus aus Anwesenheit/Abwesenheit in einem Spürsinn für das "Wesen" überwindet. Der Neuroatheismus beginnt hier radikal zu wirken.


MEHR JETZT: Bewußtseinswandel von der Symbolistik zur Präsentomatik

(Taschenbuch 19. Dezember 2014)


Psychophilosophische Metadiagnosen eines somatoform Gestörten zur Theorie der urschizophrenen Objektkultur als Traditionsgeschichte der menschlichen Zivilisation inkl. zweier Texte im Geiste des Metaskeptizismus und einer Patientenrede. Dieses Buch ist nicht nur das authentische Protokoll einer ontologischen Psychotherapie sondern vorallem die schrittweise und schockweise BEFREIUNG DER SEELE VON IHRER ZWANGHAFTEN SELBSTOBJEKTIVIERUNG DURCH DIE ERFINDUNG DES ICHS MITSAMT SEINER RELIGIÖSEN INTERPRETATIONEN! Es geht um nichts geringeres als eine radikale Anleitung zur Überwindung der Objektkultur durch Traumabewältigung! Seelisch labile Leser sollten vorsichtig sein und nichts überstürzen...


NEUROSCHAMANISMUS: Durchleuchtung statt Erleuchtung

(Taschenbuch 20. August 2014)


DAS STANDARDWERK DER NEUROLYRIK ! Jetzt als erweiterte Trilogie-Version: 55 thematisch ausgewählte Gedichte 1988-2014: "Transesoterische Neuropoesie für eine Neue Lebensphilosophie im 23. Jahrhundert" 

AMAZON-REZENSIONEN

2015 - 2025

Das eingebildete Ego: Spiritualität als Selbstoptimierung der größten Selbstlüge
24. Januar 2025 von Liga der Leeren (LDL)

Von der doppelten Einbildung: DAS SELBST ALS ORDNER MIT EINEM SCREENSHOT SEINER SELBST

Rezension vom 28. Januar 2025


Was kann schöner sein, als am eigenen Geburtstag mit Grippe bettlägrig zum Zeitvertreib ein gutes Buch zu lesen, das der Postbote passend wie ein Geburtstagsgeschenk ablieferte: mein Belegexemplar, weil es meine Rezension des 10. Buches enthält, danke! Heute erschien also das 11. Heft der LDL und ich verbrachte den verregneten Tag damit, die nur 28 Seiten umfassende Werbebroschüre genau und geduldig zu studieren; denn: so dünn war bislang kein Heft der LDL-Reihe, also müsste der Erkenntnismehrwert dementsprechend fetter sein, um das auszugleichen. Wenigstens kostet es keine 10€ wie die Vorgänger, aber lohnt sich ein Heft aus nur 3 Essays? Das ist vermutlich nur individuell entscheidbar, abhängig vom Zustand des jeweiligen Lesers. Bedauern tue ich, dass der topaktuelle Artikel vom 14.1.2025 "ABSOLUT DA (ALLES BLEIBT, WAS ES IST)", der bislang nur auf Facebook erstveröffentlicht wurde, zu spät verfasst scheint. Er hätte das Heft perfekt als Essay Nr.4 abgerundet. Vielleicht findet er in einer späteren, erweiterten Version irgendwann Eingang? Denn darin steht z B.: "All Deine transformativen Strebereien sind selbstoptimierende Beschäftigungstherapie des Egos, das sich die Erleuchtung auf die Fahne schreibt." Die 3 Essays im 11. Heft sind schnell gelesen und erzählen mir im Grunde nichts Neues. Alles zum Thema Ichlosigkeit war bereits im 10. Heft breit getreten, genau genommen sogar schon lange davor, was auch die beiden Zitatfragmente aus den allerersten Büchern NULLYOGA & URRUHE beweisen, die den drei Essays vorangestellt sind. Warum dann noch ein elftes hinterschieben? Ich beginne also nochmal von vorne und zerkaue diesmal jeden Satz, jede Aussage in Zeitlupe, um einen möglichen neuen Mehrwert daraus zu schlagen. Alles dreht sich laut Buchtitel um das "eingebildete" Ego und dessen Bedürfnis nach Spiritualität als "Selbstoptimierung" der größten Selbstlüge. Allein dieser Untertitel verrät schon den typischen Blick der Liga der Leeren auf die sogenannte Spiriszene, den ein anderer Rezensent als Haudrauf-Kritik bezeichnete: Das Ego soll angeblich nur eingebildet sein und bildet sich darauf auch noch was ein! Diese doppelte Einbildung versucht sich nun aber nicht aufzulösen, um zu erwachen, sondern im Gegenteil: sich selbst zu optimieren! Das dünne Heft handelt insofern davon, kurz und knapp darzustellen, wie die Einbildung funktioniert und warum deren Auflösung eine nachhaltigere Befreiung von allen Problemen bewirkt als der Trend nach Selbstoptimierung, an dessen Endziel Erleuchtung als größte Einbildung erhofft wird. Damit verrät die gesamte Titelgebung des Heftchens bereits das knallharte Thema der brandneuen Spirisatire, die eigentlich gar keine Satire ist, sondern nur analysiert, warum umgekehrt die Spiriszene selbst als existenzielle Satire bezeichnet werden kann: aufgrund der paradoxen und nie erreichbaren Wunschvorstellung des Egos, sich aus seiner Selbstlüge herauszuwinden! Und zwar nicht, weil es die falsche Bewusstseinstechnik anwendet oder noch nicht lange genug gelitten hat, sondern weil es selber das eigentliche Problem ist, das der Befreiung im Wege steht. Denn ich lese auf Seite 3 im ersten Schaukasten, der das Heft einleitet, wie eine Reklametafel in blauer Farbe den Slogan "AUCH DAS ICH IST ICHLOS". Hier knallt die Zenpeitsche schon so laut und erbarmungslos, dass eigentlich alles danach nur ein Echo des Knalls sein kann! Und so ist es auch: im "Vorwort" (das im Grunde als vierter Essay daherkommt) findet sich schon gleich die Erklärung des Eingangsslogans, wenn es auf Seite 6 darin heißt, dass "JEDE so genannte Wahrheit nur ein Gedankenobjekt des ichhaften Vorstellungsvermögens und keine materielle, erfahrbare Entität darstellt". Daraus folgt im zweiten Essay ("ERLEUCHTUNG IST ERDLEUGNUNG") auf Seite 16, dass einfach keine Selbstoptimierungsmethode jemals zur erleuchteten Selbstfindung führen kann, sondern nur zu einer dualistisch-"elitären Parallelwelt-Erkenntnis wie alle traditionellen Religionen", weil das eigene Bewusstsein nur als "etwas gefühllos Transzendentes" interpretiert wird anstatt sich selber "leer zu fühlen", indem man "in sich eins (identisch) IST und nichts anderes" (Seite 17). Hier schleicht sich also klammheimlich durch die Hintertür das Thema des Vorläufer-Buches "IDENTISCH SEIN" hinein, aber diese kurze Anspielung wird im dritten Essay ("TRANSSPIRITUELLE EGOLOSIGKEIT") nicht weiter ausgewalzt, sondern zu einer klaren Definition erweitert, die wohl die Antwort auf die Frage einer Leserin (siehe Rückseite des Buchcovers) sein soll: "Das EGO ist der Glaube des ICH-Gedankens, etwas anderes zu sein als das, was passiert." (Seite 19) Und "ALLES, WAS PASSIERT" wird von "erwachten" Menschen als "selbstleuchtend" bezeichnet, also von niemandem erfahren, da es kein "unabhängiges, von der Realität losgelöstes SELBST" gibt (alles auf Seite 18), sondern nur "das reflektierte Universum" (Seite 19). Der Primärtext des Heftchens endet daher folgerichtig auf Seite 20 mit einer Variation des Leitmotivs aus dem ersten Essay ("COMPUTER OHNE USER"), wenn abschließend in fetten Lettern zu lesen ist: "Alles bleibt auch ohne Ich genau das, was es ist, nur dass niemand mehr da ist, der es auf sich bezieht." Denn im ersten Essay mit dem Vergleich des Users als Computer wird bereits festgestellt, "dass alles, worunter es [das Ich] leidet, auch ohne Ich weitermacht, mit dem feinen Unterschied, dass ohne Ich kein Besitzer der Probleme mehr existiert, der darunter leidet." Insofern lässt sich die Botschaft der 28 Seiten für mich auf eine simple Formel komprimieren: SELBSTLEUCHTUNG STATT SELBSTOPTIMIERUNG, wodurch auch die scheinbar triviale Aufforderung auf Seite 9 "sei das Wesen, das Du bist: ein MENSCH!" am Ende zu seiner transspirituellen -ganz und gar nicht trivialen- Bedeutung aufblüht!



Mehr Nichts!: Warum wir weniger vom Mehr brauchen & Von der Kunst des Weglassens: Warum es an der Zeit ist, das sinnentleerte Streben nach Mehr infrage zu stellen
26. April 2021 & 22. November 2023 von Prof. Dr. Tobias Esch

McLeer: Mehr Mut zu weniger Mehr; oder auch: mehr Bestseller? & Klappe die zweite: "Bestsellerautor" ohne Bestseller

Rezension vom 28.+29. September 2024


Bei der Lektüre des Coronapandemie-inspirierten Buches von Prof. Dr. Tobias Esch, das eigentlich "MEHR NICHTS!" hieß, aber nun anscheinend unter neuem Titel nochmal neu feilgeboten wird, fällt auf, wie wenig das Thema Nondualität bislang im akademischen Raum angekommen ist. Das literarische Ich als Zaungast spiritueller Ambitionen trennt hier weiterhin zwischen Innen und Außen und erteilt Ratschläge nach den Regeln eines Bestsellers: zunächst werden Studien und historische Bezüge herangezogen, alles bereits Bekannte nochmal aufgewärmt, um dann des Kaisers neue Kleider schmackhaft zu machen. An solchen dicken, schweren Büchern beweist sich das Thema des Buches selbst: viel aufgeblasenes Nichts wiegt hier buchstabenschwer, ohne das Kernproblem überhaupt anzukratzen: die sogenannte "Ego-Blase" (Seite 270) ist wesentlich umfassender als der Autor es ahnt, seine eigene literarische Beschäftigung damit ist das Resultat genau dieser Blase und kann daher ebenso wenig ins erfahrbare Nichts führen wie die "Fake-Spiritualität" der McMindfulness-Mentalität. Solange (siehe in Folge Seite 300) die "Dekonstruktion des Ichs" durch "ultimatives Loslassen" als paradoxe Aktivität des "gestärkten Ichs" herbeigeführt werden soll, kann natürlich nur dualistisch abgespaltene "Transzendenz" das Ziel sein, während für Nondualität totale Transparenz (die Leerheit des Ganzen im Unterschied zur Leere als Gedankenobjekt) statt Ego-generierter Transzendenz entscheidender ist. Wenn es auf Seite 341 heißt, "unsere Orientierung am Außen ... der Ruf nach mehr Medizin, mehr Gott, mehr Wirtschaft, mehr Linderung, mehr Technik, mehr Google, mehr Ordnung" sei ein Ablenkungsmanöver, um die Angst vor dem Tod zu vertuschen und zu verschieben, so wird deutlich, dass es dem Autor nur darum geht, den Tod als "Seinsschlaf" (Seite 347) wie eine "ewige Leere, das Nichts zu akzeptieren" (Seite 350) und damit so kreativ wie ein Helge Schneider umzugehen, den er als Vorbild zitiert. Sein Werk entpuppt sich hier als schreibtherapeutischer Versuch, eine sinnstiftende Erkenntnis aus den Erfahrungen der Pandemiezeit zu ziehen, ohne allerdings weiter zu führen als längst bekannte Haltungen in der Spiriszene, die nur so lange funktionieren, bis die alte Luft wieder aus dem Ego-Ballon entwichen ist und die nächste Lebenskrise erzeugt. So bleibt das gutgemeinte Buch "MEHR NICHTS!" letztlich ein moralischer Appell zu "mehr Natur, mehr Wertschätzung, mehr Achtsamkeit, mehr Gemeinsinn" in der Hoffnung auf "mehr Zukunft" (alles auf Seite 403). Das neue "gestärkte" Ich findet insgeheim zu MEHR MORAL als Ersatzreligion, eine vermeintlich erleuchtete Moral durch MEHR AKZEPTANZ. Das Sahnehäubchen auf dieses akademische Hurz ist dann die Peinlichkeit der Übernahme des Klassiker-Titels "Der leere Spiegel" (von Janwillem van de Wetering) als Überschrift des allerletzten ultrakurzen, sich selbst erklären wollenden Abschnitts, in dem das Ich ganz und gar nicht zen-buddhistisch von sich selbst entleert wird, sondern genau dort stecken bleibt, wo es erst anfängt, überhaupt spannend zu werden: "Wir müssen uns kein Bild mehr machen" (Seite 404). Die Hoffnung auf ein bildbefreites Ich nannten die alten Meister Zengestank, weil das vermeintlich erleuchtete Ich sich nun mit dem Bild der Bildlosigkeit identifiziert. Es ist dem Autor als Professor Doktor Glücksforscher zu wünschen, dass sein nächstes Werk von nondualer Disidentifikation handelt anstatt das Ego mit noch mehr Nichts zu füttern. Allerdings dürfte das nicht zu noch mehr Bestsellerei führen, denn "die Illusion des Ichs" (siehe gleichnamiges Buch von Alan Watts) zu enttarnen, bereitet dem Ich noch mehr Angst als sich mit Nichts anzufüllen :-)



IDENTISCH SEIN (BEING IDENTICAL) ...ALS WAS ES IST (...TO WHAT IT IS)
25. August 2024 von Liga der Leeren (LDL)

IDENTISCH SEIN STATT IDENTITÄT HABEN

Rezension vom 3. September 2024


Ein fulminantes Ende des Spirisatire-Projekts! Auf über 50 Seiten wird gleichermaßen auf Deutsch und Englisch erläutert, was der ichlose Zustand bedeutet, IDENTISCH zu sein "ALS WAS ES IST" (BEING IDENTICAL TO WHAT IT IS) anstatt der Einbildung eines suchenden "Selbst", das "mit sich" eins werden müsste. Dieses Thema durchzieht alle Hefte der LDL von Beginn an. Bereits im Heft "NULLYOGA" (2015) finden sich die Zeilen:

"ALLES IST IDENTISCH MIT SICH. Kein tieferes oder höheres 'Selbst' unabhängig davon. Kein Eigenwesen. Alles ist sein eigenes Wesen."

Und zum Ende des Heftes:

"Spür Dich von ganz innen heraus anstatt Dich von draußen wie ein Objekt zu beobachten. (...) In diesem erwachten Zustand 'hast' Du kein Ich, sondern BIST einfach alles, was sich natürlich anfühlt."

Im Folgeheft "URRUHE" (2016) findet sich sogar der Titel "BE IDENTICAL: GREEN IS JUST GREEN AND NOTHING ELSE BUT GREEN". Darin steht geschrieben:

"EVERYTHING IS ITSELF!!!"

Und weiter vorne liest sich bereits der Satz:

"Einssein kannst Du nicht 'mit' etwas, sondern Du BIST entweder eins (nämlich Du!) oder stehst neben Dir, weil Dein Ego etwas anderes sein möchte als Du selbst. Dieses zu sich selbst sprechende Ego möchte gerne sein 'Selbst' finden, anstatt einfach selbst zu sein. Wenn sich das Ich GANZ VON INNEN spürt, denkt es sich nicht mehr, sondern schaut einfach aus sich heraus."

Das nun vorliegende 10. und angeblich letzte Heft der sogenannten Liga der Leeren "IDENTISCH SEIN (BEING IDENTICAL) ...ALS WAS ES IST (...TO WHAT IT IS)" anlässlich des 10.Jubiläums bündelt bislang noch nicht in Heftform veröffentlichte Texte aus den Jahren 2021, 2023 und 2024, die mir fast alle von Facebook oder der Homepage Urruhe.de vertraut sind. Viele Essays haben anekdotische Aspekte mit vielen satirischen Anspielungen auf Klischees der Spiriszene, wobei die LDL ihre Parodien schon selber als "Haudrauf-Kritik" an Gurus bezeichnet, nachdem ihr vorheriges 9. Heft "KEIN YOGA FÜR NIEMAND" von einem Rezensenten als solche beschimpft wurde. Ein Schlüsseltext über das Selbstverständnis der LDL scheint mir der sarkastisch wirkende Artikel "BESCHEID(ENHEIT)" zu sein, in dem der Typus des Erleuchtungsfanatikers auf die Spitze getrieben wird, wenn es heißt:

"Jeder hilft jedem mit guten Ratschlägen, um möglichst schnell und unkompliziert erleuchtet zu werden. Und so wächst der Club der erleuchteten Ichs allmählich. Demnächst stehen neue Vorstandswahlen an. Ein besonderes Ich wird für den höchsten Posten vorgeschlagen. Eins, das besonders gut über das Nichtsein reden kann."

Hieran wird für mich nochmal deutlich, was das Anliegen der LDL war, als sie vor zehn Jahren auf den Plan traten: ganz gleich, ob sie als "Club" oder "Liga" radikal ironisiert wird, die Spiriszene mit ihren Sucher-Satsangs und Advaita-Pseudonondualisten wird komplett zerlegt, von Heft zu Heft detailverliebter, akribischer, sprachanalytischer und mit wirklich seltenem schwarzen Humor, wo normalerweise nur zwanghaft andächtiger Ernst zelebriert wird, um das Ich mit Erleuchtung aufzupumpen, wie es im kurzen finalen Artikel "IDENTISCHSEIN" steht:

"ALLES IST IDENTISCH – nicht 'mit' etwas, auch nicht 'mit sich selbst', denn da ist kein 'Selbst', das von 'sich selbst' getrennt sei. Der spirituelle Zirkus ist ein gigantisches Blabla wie eine Börsenblase, die platzt, wenn das Sosein kein Ich mehr benötigt, um ES SELBST zu sein."

Ich wünsche mir wie jedes Mal, dass dies nicht das letzte Publikat der Spirisatire sein möge, da es niemanden sonst in der Szene gibt, der ihre Selbstlügen investigativ aufbereitet und mit derart brutaler Zenpeitsche alternative Sichtweisen auf die großen Themen der Spiritualität formuliert, sodass die Kritik am Ende immer auch einen visionären Wechsel des Blickwinkels erlaubt. Dazu zitiere ich abschließend aus dem Essay "SATSANG MIT DUFTKERZE IM KARUSSELL DER STERNE" eine Passage, die jegliches ichhafte Bedürfnis nach Selbstbefreiung im Ansatz schon tilgt:

"Wo niemand ist, findet sich auch kein heiliges Innen, in das irgendwie eingekehrt werden müsste, um inneren Frieden, Liebe und Stille zu finden. (...) Wenn Du aber an 'Nichts' denkst, geschieht das Gegenteil von Erleuchtung: Du klebst noch fester an der Vorstellung einer transzendenten Ebene, auf der das Ich vom Stress der Welt befreit wäre. In Wahrheit ist da niemand, der befreit werden müsste – niemand, der redet, denkt oder fühlt! (...) Das ist die erleuchtungsfreie Zone des befreiten Alltags, befreit aus der Vorstellung Deiner Sekte, es gäbe einen Ort, der lebenswerter sei als die giftige Müllkippe, der Ölteppich-geschwärzte Strand und Dein mit Nanoplastik durchtränkter Körper. Das Universum hat keine göttliche Rückseite, es ist das in sich ruhende Highspeed-Karussell der Sterne..."



Freiheit: Vom Leben und Sterben eines Phantoms
22. Juni 2017 von Andreas Müller

Keine spirituelle Botschaft: das "verpuffte" ICH

Rezension vom 13. September 2022


Seit dem Klassiker von Alan Watts "Die Illusion des Ich" aus dem Jahre 1966 musste ein halbes Jahrhundert vergehen, bis ich Andreas Müller als Gastautor der LDL (Liga der Leeren) entdecken durfte. Was Neuropsychologen wie Chris Niebauer nie bauen können, weil da niemand ist, der überhaupt etwas bauen könnte, gelingt dem "timeless wonder", wie Andreas sein nonduales Projekt gerne nennt, nämlich das unmögliche Paradoxon: er spielt sich NICHT als Guru auf, sondern analysiert ganz im Gegenteil auf eine elegante höfliche und nett gemeinte Art und Weise, warum "persönliche Lehren" (also Methoden für Erleuchtungssucher) wie z.B. "Achtsamkeit" von Ich-Personen für Ich-Personen angeboten werden, weil beide auf dieser Ebene zusammenpassen - ihr Glaube an die Erreichbarkeit des letzten spirituellen Ziels: Erleuchtung als Einheitsbewusstsein. Der Unterschied zur echten FREIHEIT, wie Herr Müller sie darstellt, ist eigentlich ganz simpel: echte Ichlosigkeit ist etwas völlig "Unpersönliches" im dem Sinne, daß diese nonduale Wahrnehmung keine Person als inneres Zentrum besitzt, die "erwachen" muss. Dadurch gibt es niemanden, der etwas vermisst und erreichen will, niemanden, der etwas sucht und sich getrennt fühlt vom Ganzen. Was der timeless Andy da proklamiert, ist zwar angeblich die uralte Weisheit aller Spiritualität, aber wird selten tatsächlich so nüchtern und humorvoll logisch beachtet. Stattdessen arbeiten sich Selbstsucher, Sinnsucher oder Seinssucher hart ab an diversen Techniken, die ihnen von gut meinenden Gurus beigebracht werden, aber erreichen logischerweise nie das Erwachtsein: weil da niemand ist, der es erreichen könnte! Solange JEMAND da ist, dauert der Traum des Egos an und es müht sich lebenslänglich ab, in manchen Traditionen sogar in weiteren Reinkarnationen, die es näher ans Ziel bringen sollen. Das ist im Grunde wie Hochleistungssport: immer höher, weiter und besser, auf die seelische Erkenntnis der "Wahrheit" übertragen. Das Sympathische am Wonderandy ist seine natürliche neugierige Art, auf seine Fans einzugehen, indem er ihnen klipp und klar erklärt, warum er KEIN Guru ist und ihnen NICHTS beibringen kann:

"Das scheinbare Ich erlebt das, was scheinbar passiert, in Trennung und dadurch als ungenügend. Und so lebt es in dem Traum, ins Zweite, z.B. in den nächsten Moment oder in ein erleuchtetes Bewusstsein, erwachen zu können. Da ist aber gar nichts." [Seite 36]

Die titelgebende FREIHEIT, von der Andreas in seinem 150 Seiten starken Werk von 2017 redet, ist nämlich etwas völlig anderes als das, womit die klassischen Weisheitslehrer (wie z.B. Eckhart Tolle) ihr Geld verdienen:

"Diese Botschaft ist keine spirituelle Botschaft. [...] Diese Botschaft ist der Kern aller spirituellen und esoterischen Lehren, aber solange da jemand herumtanzt, wird es zur Religion, zur Lehre, zum Konzept, zu etwas Persönlichem. Einheit wird zu etwas, das noch nicht ist, aber von jemandem erreicht werden kann. Die Mischung aus Einblick und Person schafft Spiritualität. Da sehr viele einen oder mehrere Einblicke hatten, sehr wenige aber tatsächlich verpufft sind, gibt es wahnsinnig viel Literatur zu Spiritualität, aber nur relativ wenig Literatur zu dieser Botschaft. Es gibt sie, aber nicht in der Häufigkeit wie persönliche Botschaften." [Seite 42]

Damit katapultiert sich Andreas Müller, oder genauer gesagt nicht die Person, sondern sein Slogan "the timeless wonder", an die vorderste Front der transspirituellen Bewegung aus Antigurus, zu denen ich auch Pier Zellin mit seinem Nullyoga zähle. Mir scheint, es kommt doch allmählich Bewegung in die ganze Sache, denn der Wonderandy wird sogar in der Spiriszene beachtet, jedenfalls von jenen, die auch Tony Parsons zuhören, der wesentlich intellektueller und schwieriger zu verstehen ist... Was mich am meisten begeistert ist, daß sogar eine politische Dimension der Ichlosigkeit im Buch FREIHEIT angerissen wird. Ich würde mir im Angesichte all der Kriege und sonstigen egobasierten Weltprobleme wünschen, daß Andreas diesen Aspekt weiter vertieft, über den ich auf Seite 43 lese:

F: "Wenn es jetzt nur Menschen ohne 'Ich' geben würde, wäre die Welt dann friedlicher?"

A: "Wahrscheinlich wäre das sogar so - allerdings, und das ist das Wichtige, nicht weil so viele Menschen bewusster wären, sondern einfach weil niemand mehr da wäre, der wahnhaft sein Glück in verschiedenen Dingen und Zuständen sucht."



Kein Ich, kein Problem: Was Buddha schon wusste und die Hirnforschung heute bestätigt.
26. Oktober 2020 von Chris Niebauer

AMYGDALA & ANATTA; oder: VOM SUBSTANTIVISCHEN ZUM VERBALISTISCHEN ICH

Rezension vom 7. August 2022


"In Wirklichkeit sind es hundert verschiedene Bilder, aber das Denken verbindet sie zu einer fortlaufenden Geschichte." (S.86)

Der amerikanische Neuropsychologe Dr. Chris Niebauer fordert den Leser in seinem Buch "KEIN ICH, KEIN PROBLEM" (von 2019: "No Self, No Problem") auf, sein Ich als Daumenkino zu betrachten: wie einen Fluss, "dessen Gestalt sich in ständigem Vorwärtsfließen befindet." (S.85) Aber das wirklich Provozierende an seinen Erläuterungen geht noch einen Schritt weiter und fragt darüber hinaus: "Wo ist das Ich, wenn niemand daran denkt?" (S.87) Was mich verblüfft ist, daß er auf den 164 Primärtextseiten seines insgesamt nur 192 Seiten dünnen Taschenbuches über "die Illusion des Ich(s)" mit keinem einzigen Wort den gleichnamigen Klassiker von Alan Watts aus dem Jahr 1966 erwähnt, obwohl er sogar den Bezug seiner "eigenen" Thesen zu Zen, Buddhismus, Advaita Vedanta und Taoismus herstellt (S.17,24), was so gar nicht möglich wäre ohne den Bewusstseinspionier Alan Watts, der damals mit seinen weit über 20 Büchern und seinem gesamten Lebensengagement dafür sorgte, daß die fernöstliche Psychophilosophie der Ichlosigkeit bei "uns", der westlichen Welt, populär werden konnte! Ich erlaube mir, aus dem Buch "Die Illusion des Ich[s]" (das fehlende Genitiv-s beim Ich ist übrigens ein weit verbreiteter Grammatikfehler, der sich auch bei Niebauer hin und wieder willkürlich einschleicht) von Alan Watts zu zitieren:

"Diese Geschichte ist im übrigen keineswegs von mir. Jeder, der Religionsgeschichte studiert, weiß, daß sie aus dem alten Indien kommt und daß sie die mythische Erklärung für die Vedanta-Philosophie ist. (...) Hat man überdies einmal die Illusion des Ich[s] durchschaut, so ist der Gedanke unmöglich, daß man aus diesem Grund besser als andere oder ihnen überlegen sei. Wohin man auch sieht, ist es stets nur das eine göttliche Selbst, das sein millionenfaches Versteckspiel treibt. (...) Tatsache ist, daß kein Ding oder kein Merkmal dieses Universums sich vom Ganzen trennen lässt und daß deshalb das einzige wahre göttliche Ich oder göttliche Selbst das Ganze ist." (S.26,29,59)

Auch Niebauers Erläuterungen über die Bedeutung des Raums für die Wahrnehmbarkeit von Materie wirken wie aus Watts' Klassiker abgeschrieben, aber Niebauers Plädoyer zum kritischen Umgang mit der "interpretierenden Instanz in der linken Hirnhälfte" (hätte als "II i.d. LH" abgekürzt den Umfang des Buches stark reduziert, da es unnötig oft penetrant hypnotisierend wiederholt wird) enthält ohnedies keine neue echte erkenntnistheoretische Sensation, sondern stellt ein Sammelsurium aus repräsentativen Zitaten, experimentellen Beispielen und interdisziplinären Querverweisen dar, um das alte Zen-Axiom "kein Ich, kein Problem" (S.22) aus moderner neurowissenschaftlicher Sicht zu bewerten. Insofern erinnert mich das Buch eher an populärwissenschaftliche Artikel in Zeitgeist-Magazinen, zumal die fehlenden Abkürzungen "II" und "LH" für die am häufigsten verwendete Formulierung zur künstlichen Erhöhung der Seitenzahl führen. Was mich aber am allermeisten erstaunt ist, daß Niebauer noch nicht einmal die indianische Nootka-Sprache erwähnt (die schon von Alan Watts -auf Seite 98 seines Klassikers- ins Spiel gebracht wurde!), obwohl er den sprachlichen Aspekt des sich selbst denkenden Ichs mehrmals als ausschlaggebend für die abstrakte Selbstillusion betont, wenn er über "seine" Ansicht sinniert, daß "das Ich eher einem Verb als einem Substantiv gleicht" (S.74), aber es für das westliche Daseinsgefühl zu radikal anmutet, daß "der Denkprozess das Ich erschafft, anstatt dass es ein Ich mit einer eigenständigen, vom Denken unabhängigen Existenz gäbe. Das Ich ähnelt eher einem Verb als einem Substantiv." (S.17) An diesem Punkt glaubt man noch einigermaßen, er wolle tatsächlich auf die echte nonduale Ichlosigkeit hinaus, aber leider unterläuft ihm dann doch der Kardinalfehler aller Dualisten, indem er diese Ansicht esoterisch überhöht:

"Wenn Bewusstsein dadurch entsteht, dass das Gehirn lediglich ein größeres Bewusstseinsfeld anzapft, und es nicht als Objekt im Gehirn existiert, dann erscheint es, genau wie unser Ich-Erleben, eher als Verb denn als Substantiv." (S.154)

Da hilft ihm auch nicht mehr die eigentlich weise Schlussfolgerung: "Wenn dem so ist, dann sollte man die Idee vom Bewusstsein als 'Beobachter', wie sie in spirituellen Kreisen verbreitet ist, treffender lediglich als 'Beobachtung' begreifen." Denn er unterstellt damit allen Erleuchteten (also den heiligen Ich-Personen, die eine Erleuchtung wie ein Eigentum besitzen), daß sie durch eine Überidentifikation mit der rechten Hirnhälfte (S.166) eine intuitive Ebene des Seins "anzapfen", um das Verbundenheitsgefühl eines Einheitsbewusstseins zu wecken, was dann ihr "wahres Ich" sei (Kapitel 8 ab S.161), voller Achtsamkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl. Dieses romantische Pseudo-Erwachen aus der Ich-Illusion empfiehlt er am Ende seines Buches zu erkunden - natürlich ohne "Kategorien, Etiketten, Überzeugungen, Gefühle" (S.172), da das "wahre" Ich ja "nicht in Worte zu fassen" (S.172) sei. Mit so viel polarisierendem Etikettenschwindel hätte ich bei der Lektüre nicht gerechnet (zum Glück konnte ich nach monatelangem Warten ein leicht zerknittertes billiges Gebrauchtexemplar erwerben); denn die echte ICHLOSIGKEIT jenseits der rechten oder linken Hirnhälfte, die gar nichts mit dem reflektierten Personbewusstsein zu tun hat (und darum vom Ich weder rechts noch links verstanden geschweige denn technisch erreicht werden kann!), wird überhaupt nicht thematisiert, sondern stattdessen nur die Befreiung vom substantivischen Denken durch den Mittelweg einer verbalistischen Stille, mit der sich das Ich hin und wieder entleeren (oder besser gesagt: auftanken und vollsaugen) kann, um sein unerlöstes Selbstgespräch zu ertragen. An Niebauers Stelle würde ich mir das Zitat eines Kollegen von Alan Watts zu Herzen nehmen, das Niebauer selber kurz vor dem Ende seines Problembuches noch anbringt, ohne es allerdings auf sich selber anzuwenden:

"Alle spirituellen Praktiken sind Illusionen, geschaffen von Illusionisten, um der Illusion zu entkommen." (Richard Alpert alias Ram Dass auf S.168)

Wenn die Hinwendung zur rechten Hirnhälfte von der progressiven Neuropsychologie als spirituelle Praktik irgendwann wissenschaftlich fundiert toleriert wird (Niebauer möchte sich da gerne als Vorreiter verstanden wissen), dann ist das zwar begrüßenswert, um Meditation und Yoga therapeutisch ernst zu nehmen, aber das derart "praktizierende" (nein, nein, nicht denkende!) Ich erschafft sich nebenbei eine neue zwanghafte Selbstillusion, die schlimmstenfalls sogar zu traumatischer Satsang-Sektiererei führt, wie sie sich nur ein narzistischer, geldgieriger Guru wünschen kann. Das Praktizieren wird dann zum Pressen: das Ich muss weg gepresst werden, koste es, was es wolle! Kein Problem, Hauptsache totale Tiefenentspannung und Einswerdung mit allem. Wer?



Das ist es. Vom Ende der Illusion des Getrenntseins
16. August 2004 von Tony Parsons

DIE ARROGANZ DER GURUS IM ERLEUCHTUNGSCLUB; oder: WARUM ES KEINE ERLEUCHTETEN PERSONEN GIBT

Rezension vom 10. Juni 2022


Auf Seite 197 macht ihm eine Besucherin seines Vortrags das Kompliment, daß er "so einfach, so normal" sei, und empfindet das aufgrund ihres "Widerwillens gegen Gurus" als große Erleichterung. Tony Parsons erklärt in seinem Buch "DAS IST ES" von 2003, warum es "so etwas wie eine erleuchtete Person" nicht gibt (S.17) und überhaupt nicht geben kann und der Verstand sich als "Oberguru" (S.72) aufspielt, um erwachen zu wollen. Aber jegliche Motivation des Egos beruht gemäß Parsons (und anderen Autoren wie z.B. Jed McKenna, Werner Ablass und Pier Zellin) auf dem Missverständnis der Vorstellung, es gäbe JEMANDEN, der ETWAS besitzen könnte, obwohl echtes Erwachen gerade zum gegenteiligen Ergebnis führt: daß da NIEMAND im Zentrum der Wahrnehmung sitzt (sämtliche Neurobiologen jeder ideologischen Ausrichtung suchen also generell umsonst nach dem Ich!), der etwas erkennt, und es darüber hinaus sowieso NICHTS gibt, das erkannt werden müsste. Diese Befreiung von der Identität und damit von der Suche bzw. der Identifizierung mit dem Suchenden (wie z.B. Neo in der Matrix) wird von den üblichen Gurus verhindert, indem sie ihrem Publikum eine Lehre verkaufen, die den Leistungsdruck von "Prozessen und Praktiken" (S.98) erhöht, um dem andächtigen "Erleuchtungsclub" (S.97) beitreten zu dürfen, anstatt sie auf die absolute, unendliche LEERE vorzubereiten (was zunächst vordergründig an buddhistische Vorstellungen erinnern mag):

"Das Individuum - das scheinbare Individuum, der Suchende - muss das Geheimnis selbst wieder enthüllen. Das ist der Grund, warum keine Institution das Geheimnis für sich beanspruchen kann. Das Christentum und der Buddhismus haben mit der ganzen Sache nichts zu tun. Sie sind einfach nur dogmatische religiöse Bewegungen, ohne jede Verbindung zum Erwachen, weil das Erwachen etwas für den einzelnen Suchenden ist." (S.43)

"Und was den Verstand natürlich am meisten anzieht, ist die Vorstellung, etwas zu tun. Wenn dich also diese Art von Leuten auf dieser Zwischenstation mit dieser Art von Energie lehren, etwas zu tun, ist es eine viel attraktivere Botschaft als das hier. Das ist der Grund, warum Leute wie Eckhart Tolle solch ein großes Publikum haben. Seine ursprüngliche Botschaft ist im Grunde sehr einfach, aber es ist dennoch eine Lehre über etwas, das du anscheinend tun kannst." (S.96)

"Viele hoch geehrte Gurus und Lehrer in Gegenwart und Vergangenheit werden von den so genannten Experten und der Allgemeinheit als Übermittler der Tradition des Advaita-Vedanta gesehen, während ihre Lehre in Wirklichkeit dualistisch ist. Diese Art von Widerspruch wurzelt entweder in tiefer Unwissenheit über die Natur der Befreiung, oder er entspringt dem Bedürfnis, einem persönlichen Zweck zu dienen." (S.98/99)

"Sobald sich der Verstand einer Idee wie der spirituellen Liebe bemächtigt, wird er heilig. Es ist nichts falsch an der Lust - die Lust ist etwas Wundervolles, sie ist Leben, Lebendigkeit. Das ist es, was nicht gesehen wird. Alle derartigen Lehren sind dualistisch - sie betreffen eine Person, die sich einem Ideal anpassen soll, und sie verstärken die Trennung." (S. 217)

Der vermeintlich nonduale Antiguru Tony Parsons hält dieser gesamten spirituellen Suche des Ichs eine klare Botschaft entgegen, die für das -im doppelten Sinne- "eingebildete" Ego eine paradoxe Katastrophe darstellt, wenn es mit Imperativen konfrontiert wird wie z.B. "Gebt auf. Gebt einfach auf und ruht in dem, was schon längst der Fall ist." (S.104) Denn sämtliche Ego-Befehle (ein Begriff, der mir in den Büchern der LIGA DER LEEREN begegnet ist) füttern nur das Ego mit dem Gedankenobjekt Erleuchtung anstatt die Illusion seiner selbst zu durchleuchten:

"Es besteht eine tiefe Losgelöstheit und das ist eine Öffnung zur Erleuchtung. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Leute nicht wissen, dass es noch ein letztes Loslassen gibt, und deshalb laufen sie los, um Satsang zu geben." (S.88)

Leider entpuppt sich aber auch Tony Parsons als ein Verführer zu eben jenen Projektionen, die er eigentlich als "Quatsch" (S.40) enttarnt, wenn er sagt:

"Es gibt kein Objekt mit dem Namen Erleuchtung und keine Person, die je erleuchtet worden ist." (S.201)

Denn im selben Atemzug ersetzt er das sabotierte Objekt Erleuchtung gegen die "Essenz" neuer "Konstanten" wie z.B. (BEDINGUNGSLOSE) LIEBE, (ZEITLOSES) WUNDER, DAS ABSOLUTE, DAS EINE, DIE EINHEIT, DIE QUELLE, DAS LICHT und DAS SEHEN - und bietet diese als so genannte "Einladung" (u.a. S.68) des Seins an, loszulassen von der überflüssigen Suche des ohnehin nur "scheinbaren" Suchers, so daß ich am Ende des Buches nur noch ein einziges Bedürfnis verspüre, nämlich ganz gemäß Tonys eigener Empfehlung von der Einladung selbst loszulassen, weil ich dieses neoreligiöse Gesäusel nicht mehr hören kann! Auch Tony Parsons ist in die Falle des heiligen Helfersyndroms getappt, obwohl er absurderweise immer wieder betont, daß er nur "das teuerste Nichts in der ganzen Stadt" (S.42) verkauft. Die Menschen kommen trotzdem zu ihm - und bezahlen für buchstäblich nichts, weil sie alle, der gesamte Erwachensclub mitsamt megaerwachtem Antiguru, am Rum-Ich-en sind (der wundervolle Neologismus "Ich-en" findet sich auf Seite 70). Darum beende ich meine Rezension mit einem Zitat, das die Bedeutung seines Buches auf den Punkt bringt, nicht ohne fairerweise hinzu zu fügen, daß es das korrekteste Buch ist, das ich seit Alan Watts und der Liga der Leeren gelesen habe, und ich nur deshalb so akribisch damit ins Gericht gehe, weil es abgesehen von der (wahrscheinlich unbeabsichtigten) neoreligiösen Tendenz wesentlich mehr Licht in die Sache bringt als die Bücher anderer Niemande, die weit schlimmere und psychisch gefährlichere Hoffnungen verbreiten als der sich selbst sabotierende Tony Parsons, der wohl kaum zu psychotischen Dissoziationen des mit Zen-Gestank aufgeblähten Egos beitragen möchte, sondern zu einer in der realen Existenz angekommenen transpersonalen Ichlosigkeit:

"Und in vielen Fällen besteht der ehrliche Glaube, diese Menschen hätten etwas namens Erleuchtung erlangt und sie hätten das auf irgendeine Weise getan; und da besteht der ehrliche Wunsch, anderen zu helfen, diese Sache namens Erleuchtung zu erlangen. (...) Das hat mit dem Erwachen überhaupt nichts zu tun." (S.56) 



Das Digitale Zeitalter aus Sicht der Weisheitslehre: Interview

21. Juni 2017 von OM C. Parkin

DIGITALE ERLEUCHTUNG? ORWELL WAR GESTERN!

Rezension vom 25. Dezember 2021


"... Wir könnten uns [also] auf das Wissen des Wesentlichen konzentrieren, jenes Wissen, welches im Internet nie zu finden sein wird: Das Wissen um das SELBST. (...) Ein Wissen, welches nur aus erster Hand erlangt werden kann, aus eigener, direkter und gelebter Erfahrung." [S.10+44]

Gibt es Erleuchtung mit technischen Mitteln, fragt OM C. Parkin rhetorisch, weil er den Verlust von Innerlichkeit beklagt. Nach der Lektüre der beiden Klassiker "Digitale Demenz" (von Manfred Spitzer) und "Digitaler Burnout" (von Alexander Markowetz) blieb ein alarmierendes Unbehagen zurück, daß die spirituelle Dimension der fortschreitenden Virtualität nur extrem ungenügend im öffentlichen Diskurs berücksichtigt wird. Darum bin ich erleichtert, auf diesen vorliegenden Lesetipp zu stoßen. Das 46 Seiten starke Interview einiger Schüler mit ihrem deutschen Guru OM C. Parkin erschien am 21. Juni 2017 unter dem Titel "Das digitale Zeitalter aus Sicht der Weisheitslehre" als 64 Seiten umfassendes DinA5-Heft mit dunkelblauem Cover im "advaitaMedia" Selbstverlag, der sich selber als "Fachverlag für anspruchsvolle spirituelle Literatur" bezeichnet. Der Sitz des Verlages ist das sogenannte "moderne Kloster" Gut Saunstorf in Mecklenburg-Vorpommern, das sich im Untertitel "Ort der Stille" nennt. Hier lebt der zeitgenössische Weisheitslehrer in Gemeinschaft mit seinen Schülern in der Nähe von Wismar. 1990 erwachte der Autor laut Selbstauskunft mit 27 Jahren durch einen Autounfall zur Ichlosigkeit, woraufhin er vom Guru Poonja den Namen OM erhielt. Poonja wiederum ist ein direkter Schüler des Gurus Maharshi, der ein Vertreter der Advaita-Tradition ist, auf die sich Parkin ebenfalls in seiner eigenen Lehre der "Inneren Wissenschaft" bezieht. Da ich das dünne Heft im gebrauchten Zustand für nur 3,60€ (statt neu für 7,50€) über Amazon erwerben konnte, folge ich hiermit dem Facebook-Aufruf der LDL (Liga der Leeren), eine Rezension zu schreiben, zumal mir der interviewte "Enneallionce"-Lehrer für "SELBSTrealisation" bereits aus einer gemeinsamen (!) Publikation bekannt ist: In der Advaita-Ausgabe 9-10/2014 des Magazins "CONNECTION SPIRIT" war im kostenpflichtigen Teil auf Seite 69 ein Kurzportrait über ihn erschienen und im davor geschalteten Advaita-Teil auf den Seiten 42-45 mein autobiografischer Essay "GEDICHTE SPUCKEN WAHRHEIT AUS" mitsamt dem Langgedicht "ÜBERGRÖßE". Wäre dem Herausgeber Wolf Sugata Schneider die Größe der Anhängerschaft als Maßstab wichtig gewesen, hätte es wohl vom Umfang her sowie den Konditionen eher andersherum ausschauen müssen; denn was mich betrifft: ich bin weder ein Guru noch habe ich Schüler, geschweige denn bin ich ein Advaita-Vertreter! Was mich bei meinem damaligen Abstecher als Lyriker in die Spiriszene am nachhaltigsten verblüffte, war das simple Paradoxon des Glaubens an eine Nicht-Dualität als eigenständige, dualistisch abgespaltene Bewusstseinsebene, was mir nicht weniger metaphysisch-schizophren erscheint als jede andere religiöse Richtung. Der Gotteswahn nennt sich lediglich anders, versteht sich mehr psychotherapeutisch als "erleuchtetes Selbst". Auch OM C. Parkin beruft sich auf psychologische Methoden der Selbsterkenntnis mit dem letztlichen Ziel der Erkenntnis der "wahren Natur" des Menschen. Da diese Form von Erleuchtung der Idee der Auslöschung des personalen Ichs verpflichtet ist, bleibt in jeder Sekte unbeantwortet (oft sogar tabuisiert), "WER" diese Wahrnehmung überhaupt HABEN kann, "der" die vermeintlich wahre Natur des Universums erkennt. In meinen Rezensionen der Bücher des verstorbenen Bewusstseinscoaches Werner Ablass habe ich diese fundamentale Kritik am Kardinalfehler der spirituellen Sucher bereits auf die Spitze getrieben, weshalb ich dieser Versuchung jetzt widerstehen kann und mich stattdessen auf den reinen Inhalt des Heftchens konzentrieren möchte, da ich mich neuerdings auch beruflich mit dem Thema Digitalität beschäftige. Die Kernbotschaft der Kritik am digitalen Zeitalter aus der Sicht der Weisheitslehre erschließt sich aus einigen wenigen zitierfähigen Sätzen, die meinem eigenen mulmigen Gefühl ziemlich entsprechen:

"Und die digitale Revolution, welche sich nicht mit künstlicher Intelligenz zufrieden geben wird, sondern wahnhaft die Aufgabe verfolgen wird, künstliches Bewusstsein zu schaffen, wird die massenhafte VERGEISTIGUNG* exponentiell vorantreiben. Die Karikatur des 'Nerd' ist ein Archetyp entkoppelter Vergeistigung, körperlos, emotional vertrocknet, kommunikationsgestört, anämisch. Ein Typ, der genauso virtuell ist wie die Welt, in der er sich verliert. (...) Das eigentliche, integrale Erleben in der Realität des Augenblicks wird zugunsten von *BILDERN VON DER REALITÄT geopfert. Ein klares Anzeichen des Totalverlustes der wesentlichen Unterscheidungskraft." [S.12+17]

Allerdings übertreibt der Autor seine Herzenskritik für meinen Geschmack aufgrund der esoterischen Advaita-Einstellung:

"Wenn der Mensch seine Lebenskraft und Intelligenz veräußerlicht, dann steht sie ihm für den inneren Weg nicht zur Verfügung. (...) Durch die Verlagerung von Aufmerksamkeit von Außen zurück nach Innen verlangsamt sich Produktivität im Außen auf natürliche Weise, denn das 'Über-' fällt weg. Ein Teil der Lebenskraft richtet sich wieder auf die Entfaltung und Produktivität innerer Prozesse, um das reine Bewusstsein, welches nicht Ich-hafter Natur ist, freizulegen." [S.20+22]

Mir als Vertreter von natürlicher Nondualität dreht sich bei solchen spiritistischen Begriffen wie "reines" Bewusstsein natürlich der Magen um, weil ich kein metaphysisches Ersatzziel benötige, um zwischen (konsumierten) Bildern und (gefühlter) Bildlosigkeit des Seins zu unterscheiden. Trotzdem liegt OM C. Parkin völlig richtig mit der apokalyptischen Analyse:

"Aus dieser Perspektive ist ein Großteil der im Internet, in den sozialen Netzwerken verbreiteten Informationen nichts anderes als geistiger Müll. Produziert durch eine endlose Selbstunterhaltungsmaschinerie des Ichs. Es ist geistige Umweltverschmutzung. Das Informationszeitalter ist auch das Zeitalter geistiger Vermüllung der Atmosphäre." [S.25]

Bingo!!! In meinem eigenen Jargon heisst das schon lange NEUROSMOG und ich bin schon allein dafür froh, dieses Interview durchgelesen zu haben. Der Autor bestätigt -trotz meiner allergischen Aversion gegen Gurutypen generell- meine Sorge über die fortschreitende Digitalisierung der kollektiven Wahrnehmung als Verlust von bildfrei empfundener Seinsfühlung, wie es im Zen-Buddhismus als "leerer Spiegel" (statt Selfie-Kultur) bezeichnet wird. Leider verschmutzt OM C. Parkin seine soziologisch wertvollen Ausführungen durch die unnötige Polarisierung der analogen Innerlichkeit, die der esoterische Sinnsucher bei jedem Guru zu kaufen oder zu lernen glaubt, obwohl es sich doch angeblich um ein Wissen handelt, "welches nur aus erster Hand erlangt werden kann, aus eigener, direkter und gelebter Erfahrung." Darin liegt eben die Absurdität von Sekten: sie funktionieren nur, weil ein Guru die SEELE vermitteln will, die aber gar nicht vermittelbar ist, und die Anhänger durch ihren Mangel an selber gefühltem Sein wie hypnotisierte Zombies so lange brav meditieren, bis kein Geist mehr in der Maschine wohnt, um überhaupt sowas wie Seele zu spüren.

"Die Verlockung liegt in der Erfüllung von Ersatzbedürfnissen. Auf Kosten der wahren Bedürfnisse der Seele." [S.44]

Im besten Fall taucht im Bewusstsein das objektlose NICHTS auf, "das" sich allen Vorstellungen von Seele radikal widersetzt und den Schüler von seinem Meditationsbedürfnis befreit, weil im Nichts niemand mehr wohnt, der etwas sucht: Es gibt dort keine Erleuchtung, weder mit technischen noch mit introspektiven Mitteln; denn Erleuchtung ist nicht das Gegenteil von digitalem Ersatzwissen, sondern eine Erfindung des bedürftigen Ichs, das sich selbst prinzipiell auf allen Ebenen -digital wie analog gleichermaßen- vergeblich sucht anstatt im (bild)leeren Sein zu ruhen. Erleuchtung ist nur die Sehnsucht des Egos nach einer aseptischen, virenfreien Virtualität, die bereits von der katholischen Kirche als "Seele" vermarktet wurde, lange bevor es Computer und die Suche nach künstlicher Intelligenz überhaupt gab. Darum beende ich meine Rezension mit einem Zitat aus dem Interview, das zwar durch die göttliche Großschrift des Wörtchens "Sein" eigentlich advaitaistisch zu lesen ist, aber ohne dieses fachspezifische Hintergrundwissen lässt sich daraus etwas brauchbares über die digitale Gefahr ableiten, die zumindest den normalen Wahnsinn der rasant wachsenden Gesellschaftsgruppe der Nerds (bzw. Selbstdarsteller auf Instagram & Tiktok) betrifft:

"In Momenten sitzen Menschen einfach nur da und sind sich vollständig des SEINS gegenwärtig, weil das Bedürfnis eines überaktiven Machers, dessen wesentlicher Antrieb die Kompensation unbewusster Angst war, einfach nicht mehr existiert ..." [S.45]

*mit Stern gekennzeichnete Großbuchstaben bei Zitaten für im Originaltext kursiv gesetzte Wörter (also alle außer den Wörtern "SELBST" und "SEIN" im Eingangs- bzw. Ausgangszitat, welche im Original tatsächlich großgeschrieben stehen!)




Philosophie des Zen-Buddhismus
1. März 2002 von Byung-Chul Han

TIEFENIMMANENZ - NIEMANDIGKEIT CONTRA SELBSTISCHKEIT

Rezension vom 8. Juni 2021


DIE "FREUNDLICHE" DEKONSTRUKTION DER ABENDLÄNDISCHEN METAPHYSIK / Seit Alan Watts ("Die Illusion des Ich") und Pier Zellin ("Nullyoga") war kein Bedarf nach Lektüre spürbar, alles schien gesagt. Was fehlte, wird hier offenbar: die akademischen Argumente zur Erläuterung des aperspektivischen Ergebnisses! Während Weisheitslehrer meist in ihrer eigenen poetischen Sprachlichkeit ausufern, ohne ihre "erleuchtete" Haltung durch namentliche Abgrenzung von etablierten Positionen außerhalb der spirituellen Szene zu untermauern, nutzt Byung-Chul Han sein professorales Prestige, um die gesamte Elite des abendländischen Denkens freundlich fachsimpelnd in die Leere -ohne Grund & Boden- zu stampfen, darunter z.B. Hegels Weltgeist, Fichtes Sehnsucht, Heideggers Sein, Nietzsches Nächstenliebe, Platons Ideen-Ernst und die Seele von Leibniz (kleines Wortspiel am Rande: Leib-Niz = der Leib & das Nichts) werden vom habilitierten Han quasi zen-buddhistisch haniliert - was für ein genialer Tabubruch gegenüber all den biederen Epigonen europäischer Tradition, die dem Katholizismus weit näher stehen als sie es ahnen! Han's akribische Rehabilitation des etwas in Verruf und Vergessenheit geratenen Zen-Lebensgefühls (so ziemlich das Gegenteil vom sexy Yoga zur Selbstoptimierung!) nicht nur aufgrund der Rolle von Zen im Faschismus oder des heutigen Ego-Fanatismus als neurotechnokratische Religion hat selber die satorische Schlagkraft einer Zenpeitsche und sollte als kleines gelbes Standardwerk zur Pflichtlektüre peinlicher Philosophen werden, bevor sie sich mit etwas angeblich "Neuem" (Realismus) oder vermeintlich "Radikalem" (Konstruktivismus) profilieren möchten, das den metaphysischen Dualismus weder überwindet noch überhaupt strukturell infrage stellt. In diesem relativ dicken Reclamheft wird eine religionslos lächelnde "Freundlichkeit" als Lebensphilosophie dargeboten, die gänzlich frei von humanistischer Moral (vgl.S.121) aus einer ontologischen Tiefenimmanenz (vgl.S.36) resultiert, die keiner transzendenten Innerlichkeit als "Identität" mehr bedarf, sondern die leuchtende Einzigartigkeit alles Seienden in dessen "wechselseitiger Durchdringung" (S.49) offenbart. Während das metaphysische Mißverständnis der platonischen Tradition aus dem "leeren Spiegel" ein geheimnisvolles Objekt und damit eine gedankliche Entität erspinnt, bewirkt der in sich selbst entleerte Spiegel ohne Innerlichkeit eine "äußerste Bejahung des Seins" (S.51), ich zitiere:

"Die Leere oder das Nichts des Zen-Buddhismus ist also keine einfache Negation des Seienden, keine Formel des Nihilismus oder des Skeptizismus." (S.51)

"Es gibt kein Seinsgefälle zwischen der Leere und der vielgestaltigen Welt. So wandert man nicht in eine Transzendenz hinaus, sondern man wandert durch die alltägliche Immanenz." (S.93)

"Jedes Seiende spiegelt in sich alle anderen Seienden, die ihrerseits es widerspiegeln." (S.64)

An dieser Stelle wird dem schockierten Leser klar, warum die zenistische Position heutzutage nicht im Trend liegt, obwohl sie eine heilsame Kraft auf den Zeitgeist der "obsessiven Ichbezogenheit" (S.66) entfalten könnte:

"Weil der Spiegel keine eigene Persönlichkeit besitzt." (S.65)

"Der Spiegel ist in sich leer. [...] Diese Niemandigkeit macht ihn aber gastfreundlich gegenüber jedem Seienden, das ihn aufsucht." (S.64)

"Das Nirgends-Wohnen stellt das Paradigma der Identität radikal in Frage. [...] Die Freiheit der Losgelöstheit stellt eine singuläre In-Differenz dar. In dieser Gleich-GÜLTIGKEIT ist das Herz freundlich gegenüber allem, was kommt und geht." (S.90)

Eine derart identitätsfreie Einstellung erscheint auf den ersten Blick anachronistisch in einer pandemischen Gesellschaft, die sich in hysterischen Meinungs- und Deinungskriegen von Wutbürgern, Querdenkern, systemrelevanten Berufen und kulturrelevanten Berufungen verausgabt, aber bei näherer Betrachtung wird im Laufe des Heftchens immer offensichtlicher, wie progressiv eine solche "archaische Freundlichkeit" (S.133) anmutet und noch immer als visionäre Zukunftsmusik durch einen wandlosen Tempel "schrankenloser Offenheit" (S.119) hallt. Sogar Martin Bubers dialogisches Prinzip des Ich und Du wird im Geiste des ent-innerlichten Zens zu guter Letzt als eine eigene Art von Versenkungslehre enttarnt, als die Buber aber gerade Zen absurderweise falsch interpretierte: Bubers verlängerte (parallelen) Linien der Beziehungen schneiden sich nämlich (in der Unendlichkeit) in einem "ewigen Du", einer verinnerlichten göttlichen Mitte, während der Dialog im Zen keiner Ich/Du-Verschmelzung bedarf, denn dort gilt sowieso:

"Die Seienden wohnen ineinander, ohne sich aufzudrängen, ohne das Andere zu behindern."
(S.51)

"Der offene, freundliche Geist ist immer schon DRAUßEN. Die dialogische 'Beziehung' setzt dagegen eine Innerlichkeit des Ich voraus, von der eine Anrufung des von ihm geschiedenen Du ausgeht." (S.133)

"Die kommunikative Freundlichkeit orientiert sich am Selbst. Die archaische Freundlichkeit beruht dagegen auf einer Selbstlosigkeit." (S.119)

"Die archaische Freundlichkeit entspringt nicht der Fülle der Innerlichkeit oder des Selbst, sondern der LEERE."
(S.120)

Diese Selbst-Losigkeit als "selbstlose 'Eigentlichkeit'" einer "TIEFEN Alltäglichkeit" (beides S.39) ermöglicht ein Mit-Gefühl, das im Gegensatz zur "christlichen Feindesliebe" (S.124) und zu Schopenhauers Mitleid (vgl.S.126/127) keinen willentlichen "Identifikationsprozess" (S.125) benötigt, um dafür durch eine "göttliche Instanz" (S.125) belohnt zu werden; denn dieses Gefühl ist nicht subjektiv: "NIEMAND fühlt. Das Mitgefühl GESCHIEHT einem." (S.125) Während der spirituelle Atheismus von André Comte-Sponville und die intellektuelle Ichlosigkeit von Peter Pfrommer (siehe meine Amazon-Rezension) nicht über eine "selbstische" (vgl.S.68) Mystik hinaus gelangen, wird die Leerheit der Leere im Zen-Buddhismus konsequent zuende gedacht, so wie es auch schon Alan Watts erkannte, nämlich von "niemand" gedacht, ohne Denker hinter den Gedanken. Zwischen Watts' Standardwerk "VOM GEIST DES ZEN" aus dem Jahre 1935 (es war sein Erstlingswerk im Alter von nur 20 Jahren!) und der "PHILOSOPHIE DES ZEN-BUDDHISMUS" von Byung-Chul Han liegen fast 7 Jahrzehnte, aber die nonduale Kernbotschaft des Zen ist dieselbe geblieben: Das Nichts ist im Innersten leer, daher wohnt niemand nirgends, sondern ent-innerlicht in wechselwirkender Durchdringung ganz draußen. Diese "TIEFE Immanenz" (S.36), absolut frei von jeglicher Transzendenz, hätte das politische Potenzial zur Kapitalismuskritik, Identitätskritik, Konsumkritik und ganz allgemein zur Systemkritik im Sinne aller zwanghaft auf sich selbst fixierten Systeme - aber wo niemand ist, um nichts zu vertreten, wird auch nirgends etwas angetreten. Ein paar "gastfreundliche" Zenmeister mit "NIEMANDSGESICHT" (S.135) täten dem deutschen Bundestag zwar sehr gut, um etwas Ruhe und Achtsamkeit in den panischen Aktionismus zu bringen, aber wahrscheinlich würden solche leeren Spiegel beim identitätssüchtigen, narzißtischen Volk zu großer Verwirrung führen. Ich habe nichts gesagt.

*orthografischer Hinweis: in Großbuchstaben zitierte Wörter sind im Originaltext KURSIV




Die Entdeckung der Ichlosigkeit: Ein Streifzug durch Sein und Nichtsein
1. Juni 2009 von Peter Pfrommer

ES GIBT KEINE TRANSZENDENZ, ALLES IST LOSGELÖST

Rezension vom 17. Juli 2019


Über die Tragikomödie des Ichs, das seine eigene Losigkeit nicht erträgt: Der spirituelle Ratgeber "Die Entdeckung der Ichlosigkeit" von Peter Pfrommer (der kein Ratgeber sein möchte, weil es kein Ich gibt, das einen Rat benötigt, siehe Seite 144) erschien bereits vor genau zehn Jahren 2009 und verrät darum vermutlich wenig über den heutigen Geisteszustand des Autors. Ich beschränke mich daher auf meine Kritik an der Logik des Buches und folgere nicht daraus, daß der Autor sein Missverständnis heutzutage immer noch nicht durchschaut hätte. Die Empfehlung der Lektüre erfolgte mal wieder durch die LDL (Liga der Leeren), deren eigene Bücher ich sehr gründlich studierte und daher verblüfft bin, wie leicht der Kardinalfehler in Pfrommers Buch für mich mittlerweile erkennbar ist. Das Fürchterliche und geradezu Perverse ist, daß es ganz wunderbar unterhaltsam und gut geschrieben ist: flüssig und für Anfänger bestimmt informativ! Umso erschreckender ist für mich, daß all die spirituellen Stereotypen, die Pfrommer zwar so zitiert, als hätte er sie durchschaut, doch wieder am Ende ins selbe pseudononduale Horn blasen wie alle spirituellen Ratgeber: ein fast hypnotischer Glaube an ein erleuchtetes Mysterium namens "wahres Ich" (oder auch: die "absolute Subjektivität", Seite 68) jenseits des Erfahrungshorizontes, das wahlweise als das "ICH BIN" und "das Absolute an sich" (Seite 74) oder auch "die tiefe Ursache allen Seins" (Seite 82) und "das Innere des Gewahrseins" (Seite 85) bezeichnet wird - oder auch schlichtweg nur als Quelle, Wesen, Träumer und das "DAS". Hurz! Hier wird wie bei so vielen spirituellen Ansätzen, die sich an der Advaita-Tradition orientieren, der Dualismus einerseits so sabotiert, wie es bereits vor über einem halben Jahrhundert von Alan Watts vorgemacht wurde, aber dann andererseits ein neuer transzendenter Dualismus als "Nondualität" verkauft (ich nenne dieses Phänomen gerne die Spiripsychose), wodurch die erleuchtete/erwachte Geheimnislosigkeit vom panischen Ich als sensationelles neues großes paradoxes Geheimnis interpretiert wird. Anstatt die Metaphern der Ich-Auflösung wirklich konsequent zuende zu denken, wird aus dem Loch (Seite 82) in der Wahrnehmung ein neues Urknall-Objekt. Aber gerade ein echtes Loch ist dadurch gekennzeichnet, daß es überhaupt nicht existiert, weder als Objekt noch als Nicht-Objekt. Das NICHTS ist nicht das Gegenteil oder die Abwesenheit von ALLEM, sondern es IST GAR NICHT und damit auch nicht "Nichtsein". Das scheint für alle spirituellen Sucher der unerträglichste Supergau ihrer selbsterfundenen Scheinparadoxie überhaupt zu sein, weshalb alle Hoffnung aller Erleuchtungstechniken immerzu auf ein transzendentes Gedankenobjekt projiziert wird, wo keine Paradoxie herrschen soll - Hauptsache nicht ohne diesen kitschigen esoterischen "Wesenskern" (Seite 74) leben müssen, weil einen das eingebildete Paradoxon sonst wahnsinnig macht. Die Überwindung der Ich-Illusion wird daher fälschlicherweise als eine nicht dauerhafte "Einheitserfahrung" (Seite 134) betrachtet (die amerikanische Esoszene ergötzt sich geradezu an ihrer lieblichen Oneness-Idee) und dadurch das eingebildete bzw. "geträumte" Gefühl des Getrenntseins kontradiktisch hervorgehoben und autosuggestiv verstärkt. Am Ende meint Pfrommer zwar, daß Samsara und Nirwana (Seite 147) dasselbe wären, aber erkennt nicht wirklich, was das ganz radikal und wahrhaftig nondual bedeutet, sondern verlagert beide Begriffe in die angebliche Traumwelt und erfindet den transzendenten Träumer als "Wahrnehmung der Wahrnehmung" oder das "ewige, unbeteiligte Gewahrsein" (beides auf Seite 75), das sich mehrfach im Buch als "das DAS" definiert, während der Traum die "dualistische Welt der Objekte" sei (Seite 84/85). Das Hurz nimmt kein Ende, es hurzt durch die spirituelle Literatur wie ein Phantom, das niemand jemals sah, aber man sich eine dauerhafte Ichlosigkeit vor lauter Angst vor dem freien Fall ins Bodenlose nicht anders vorstellen möchte als eingebettet in einen dematerialisierten, antimaterialistischen, ichlosigkeitsresistenten Urgrund, weil man selbst noch nicht radikal ichlos (nämlich nondual) wahrnehmen kann, was auf der hohlen Hand liegt: daß die Schildkröten, die bis in die Unendlichkeit auf weiteren Schildkröten stehen, niemals zu einer endgültigen letzten absoluten platonischen Urkröte an sich führen, die gottgleich aus der Leere des Lochs herausschaut und uns mit ihrem dunklen ruhigen Blick eine tiefer-als-tiefste Wahrheit des Universums verkündet. Nein, es ist viel leichter als Peter Pfrommer (und ähnliche Wunschniemande wie Werner Ablass) es 2009 so akribisch andeutet und nur ganz knapp an seinem eigenen Ziel vorbeischießt: JEDE EINZELNE Schildkröte IST selber die letzte ultimative Urkröte! Im Nullyoga der LDL nennt sich diese Weisheit ganz schlicht: "Alles ist identisch." Was in Pfrommers Sprache bedeuten würde (leider kommt sein eigenes Ich letztlich nicht dahin): Alle Objekte SIND SELBER die nonduale Identität des Seins. Und das finde ich sogar mitten im Buch auf der symbolträchtigen Seite 88, wo Pfrommer fast wortwörtlich (!) wie ein Alan Watts erkennt: "Da ist niemand, der sieht, hört, riecht, denkt, erkennt. Es gibt nur Sehen, es gibt nur Hören, es gibt nur Riechen, es gibt nur Denken, es gibt nur Erkennen, aber niemanden, der das alles tut." Peter, oh Peter, hättest Du Dein Buch hier beendet, alles wäre gut und Dein Buch ein Geniestreich. Du sagst es ja selber: "Es gibt keine wie auch immer geartete Transzendenz" (Seite 140), aber Du meinst damit leider bloß, sie sei für die Sinne unerreichbar. Du musstest unbedingt das Advaita-Hurz durch die Hintertür wieder reinlassen, wo es seine natürliche Grazie, die es sowieso nie hatte (stattdessen: im Mittelalter frömmelnde Inquisition und heutzutage weltfremdes Beten für den Weltfrieden), nicht wiedererlangt. Die Marionette (Seite 125) ist in echt ein Monster ohne Arme, unfähig zum Bogenschießen, unfähig, eins mit dem Ziel zu sein! Es gibt kein "blockierendes" Ich (Seite 126), die Blockade besteht in dem Irrglaube, unsere Arme müssten ein Absolutes umfassen und könnten das nicht, weil sie prinzipiell zu kurz dafür seien. In Wahrheit umarmt sich alles selbst. Die Arme SIND die unendliche Umarmung selber, das Ich ist kein "Häftling", dessen Gefängnis sich auflösen muss (Seite 130), sondern es ist diese Offenheit selber, die sich ALS Individumm erfährt: alles IST losgelöst, alles IST meditativ... "oh, wie schön!" Aber Peter Pfrommer sucht trotzdem weiter nach etwas noch Tatsächlicherem, was das Ich "tatsächlich" (Seite 147) sei und dreht sich bis zum letzten Satz im Kreise. Schade. Wirklich schade. Das Buch hat somit zu 50% fünf und zu 50% null Sterne verdient. Daher gebe ich diplomatische drei. Und sage danke; denn das Lesen hat tatsächlich Spaß gemacht! DAS Lesen.



Erleuchtet, aber keine Ahnung!: Erleuchtete - Eine völlig überschätzte Spezies
15. November 2018 von Matthias Pöhm

ERLEUCHTUNG IST, WENN KEINER MEHR IN DIR WOHNT, UM AHNUNG ZU HABEN

Rezension vom 14. Juni 2019


Ich bin schon so manchem Buchtipp der "Liga der Leeren" (Pier Zellin) nachgegangen und empfand die Gedanken der empfohlenen Autoren meist irgendwie anregend oder sogar sachlich bereichernd. In diesem Fall habe ich allerdings das Gefühl, daß es sich eher um eine satirische Hurz-Prüfung der LDL handelt (ob ich ihre eigenen Bücher kapiert habe) als um einen ernstgemeinten Hinweis; denn die gesamte These der Erschaffung von Identität durch "Fremdwahrnehmung" (des Autors heiliger Gral!) ließe sich erstens in einen kurzen Essay bündeln (anstatt als derart dickes Buch voller rituell-suggestiver Wiederholungen daherzukommen) und ist zweitens überhaupt nur für Menschen gültig, die ein Ich haben, das sich mit einer Identität identifizieren will, also für sogenannte Sucher. Matthias Pöhm ist demselben dualistischen Aberglauben wie Werner Ablass verfallen, daß es ein "universelles Bewusstsein" gäbe, in das alles sinnlich Erlebbare wie ein Traum hineinprojiziert würde. Nichts sei echt, alles nur Illusion - alles außer das sogenannte "Bewusstsein" selber natürlich, das sich angeblich nicht im Traum befände, obwohl es vom Träumer im Traum als solches geträumt wird. Die eigentliche spirituelle Urbotschaft der Ichlosigkeit, wie ich sie in den Büchern der LDL kennengelernt habe, wird im Buch "ERLEUCHTET, ABER KEINE AHNUNG!" komplett mißverstanden, weil der ahnungslose Autor diesen Zustand als "Leere in einem" bezeichnet (Seite 224), obwohl ein Ichloser ja gerade KEIN "in mir" mehr hat, das "sich" leer oder eins mit allem wähnt, ganz so als ob ein OmParkinsches "wahres Selbst" (Seite 194) DIE Leere oder DAS "nonduale" Einssein wie ein Objekt konsumieren könnte. Auf Seite 189 legt Pöhm diese Enttarnung des gröbsten Denkfehlers der metaphysischen Objektkultur sogar frei erfunden in den Mund von Tony Parsons (Zitat: "Es gibt kein Ich, das die Leere erfahren kann, da liegt der Grundirrtum."), ohne es aber zu verstehen, sondern als "Blödsinn zum Erbrechen" abzutun, weil er solche Spirisprüche "didaktisch schwach" findet. Stattdessen verdreht Pöhm die Essenz des psychologischen Phänomens Erleuchtung in ihr exaktes Gegenteil, womit er aber als Kritik an den Ego-aufgeblähten Gurus richtig läge, wenn er diesen subtilen Dualismus selber verstünde, wie ich ihn vor geraumer Zeit als "Spiripsychose" und "Urschizophrenie" bezeichnet habe. Doch auch er hält das Leben dualistisch für ein virtuelles Videospiel, das von einem transzendentalen Joystick gesteuert würde. Oder war dieses Kapitel selbst bloß satirisch gemeint? Das Beste an dem Buch ist im Grunde der provokante Untertitel "ERLEUCHTETE - EINE VÖLLIG ÜBERSCHÄTZTE SPEZIES", während die Begründung dafür am eigentlichen Problem völlig vorbeigeht, wie es bereits im 1.Manifest der LDL klargestellt wurde: es gibt keine erleuchteten "Personen", weil Erleuchtung zur Auflösung der Person als innere Instanz führt. Das echte "Aufwachen", wie es zum Beispiel der Kultautor Jed McKenna in seinen Büchern beschreibt, ist kein Erwachen aus einem Traum, sondern die Entdeckung, daß es gar keinen Träumer gibt und darum alles "absolut" echt ist! Mir scheint, daß Matthias Pöhm sein vorliegendes Möchtegernskandalbuch zwecks (gescheiterter) Selbsttherapie geschrieben hat, aber die Fremdwahrnehmung des Lesers benötigt, um sich als Rhetoriktrainer bei jenem Klientel beliebt zu machen, das normalerweise Gurus verehrt. Vielleicht war da ein bißchen Neid im Spiel oder die Hoffnung auf eine neue Marktlücke, weil traditionelle Gurus sehr ähnliche Taktiken anwenden wie ein Coach, um Anhänger von einem holistischen Hurz zu überzeugen. Am Ende fand ich das Namedropping am amüsantesten, durch das mich Pöhm zum Voyeur seiner Spiriszene-Boulevardpresse macht. Eine fachliche Bereicherung, die von Psychologen bis jetzt sensationell unentdeckt blieb, kann ich allerdings in keiner einzigen Zeile bemerken; denn Pöhm verkauft seine pseudoskandalöse Erkenntnis der Fremdsicht als "einzige Quelle von Identität", ohne die wesentlich wichtigere Frage zu klären, WER (oder was) denn das "Ich" ist, das eine Identität haben möchte! Hätte er selbst einen Funken Ahnung von der nur scheinbaren Ichlosigkeit der Erleuchteten, würde sein ganzer Skandal wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen und die Kritik an der angeblichen "Urmotivation" des Menschen könnte sich in einen viel heftigeren Skandal verwandeln, der von Alan Watts schon vor langer Zeit als "Die Illusion des Ich" betitelt wurde. Aber dann wäre Pöhm kein Rhetoriktrainer mehr sondern selber erleuchtet. Vielleicht erwartet uns ja ein derartiges Folgebuch von ihm noch? Die bisherige Pöhm-Religion ist für mich eine nackte Kaisermücke, die behauptet, als Elefant verkleidet zu sein...



Körper als reines SEIN - Body of pure Being: Erwachen & Erleuchtung
13. Januar 2018 von Ludmilla & Roland

Ego-Ekstase: Body of psychotic Brainwash

Rezension vom 21. Januar 2018


Scientology war gestern, Advaita ist heute! Diese dünne, überteuerte Werbebroschüre richtet sich an spirituelle Sucher, die ein neues Glaubenssystem benötigen, um mit dem "relativen Leben" besser klar zu kommen. Geboten werden die klassischen Standardfloskeln der Neuen Spiriszene zur totalen Dissoziation vom "Ichgefühl", Deinem Körper und Deinen Emotionen: Sublimation aller Ebenen Deiner Existenz als "naiver Realismus" in die billige Autosuggestion eines vermeintlich "wahren", "wirklichen", "absoluten", "reinen" Selbstbewusstseins, das als "DAS" bezeichnet wird. Hurz war nichts dagegen! Ein "kleines Ich wechselt in das große ICH" und redet sich dann ein: "DAS bin ich." Hurz! Ich könnte mich einerseits köstlich über all diesen esoterischen Humbug amüsieren, wenn diese neoreligiöse Bewegung nicht sektenähnliche Ausmaße hätte, die sie zu einer jugendgefährdenden Hirnwäsche macht. Anstatt einem Mensch, der sich die Frage stellt "Wer bin ich?" darin zu unterstützen, IM KÖRPER GANZ ANZUKOMMEN, um das PURE SEIN IN ALLEN ZELLEN ZU SPÜREN, wird das ziemliche Gegenteil mithilfe von hypnotisierender NLP-Hirnwäsche proklamiert: eine Art Erleuchtungspsychose, die den Advaita-Zombie glauben macht, dass die Realität nur Illusion, Traum, Spiel sei, während der Erwachte seine "wahre Natur" erfährt: "DAS bin ich." Am Ende verraten die Autoren noch, dass die "Transzendenz selbst nicht erfahren werden kann, aber die Auswirkung", nämlich die Transformation Deines gesunden Selbstgefühls in einen body of "pure being". Das angeblich ins "reine Bewusstsein" der "eigentlichen Essenz" verwandelte Ego ist jetzt (ganz ohne Psychopharmaka!) dauerhaft in einem Stille-Gewahrsein ruhiggestellt, weil "der Geist aus seiner kleinen Ich-Struktur ins Absolute stürzt", und hat erkannt: "Alles ist DAS." Dieser neue Dualismus, der sich absurderweise als nonduales Einheitsbewusstsein präsentiert, transformiert in echt das sogenannte "Ego-Gebrabbel" in eine esoterisch aufgeblähte Ego-Ekstase, die zur totalen Dissoziation von der Realität führt, um sich einzubilden, eins zu sein mit dem "reinen Bewusstsein", aus dem angeblich alles bestünde. Schon vor Jahrzehnten haben Alan Watts (im Buch "Die Illusion des Ich") und Konrad Lorenz (im Buch "Die Rückseite des Spiegels") diesen dualistischen Irrtum erklärt, der einen simplen logischen Fehler unterschlägt: dass das Objekt des Glaubens (hier: das "DAS") als einzig real angenommen wird von einem Subjekt, dessen Erkenntnisse selbst Teil der als Illusion empfundenen "naiven" Realität sind. Der body of pure being entpuppt sich spätestens jetzt als body of psychotic brainwash für labile Egos! Ich kann nur davor warnen, derartigen "Spaltspiris" (Begriff von Paul Zellin) in ihr gelobtes Land zu folgen - vorallem bei Traumatisierten, Depressiven und Jugendlichen, die ihr Ichgefühl überhaupt erst einmal entwickeln und stärken müssen, geht der spirituelle Schuss voll nach hinten los! Statt dieser neuen Form von Metaphysik sollte eine zeitgemäße spirituelle Psychologie dabei helfen, ganz im Hier und Jetzt anzukommen anstatt sich komplett wegzubeamen in virtuellen Gipfelerfahrungen, die als ERWACHEN vermarktet werden. Eine ganze Szene von "erwachten" Advaita-Zombies torkelt tief und fest schlafend durch ihren Traum von einer "Ursache allen Seins", die die Schöpfung zu einem naiv-unrealen "Aggregatzustand der Transzendenz" degradiert, wenn sie im Chor beten: "Wir müssen uns klarmachen, dass vor aller Materie das reine Bewusstsein ist, und wir dieses Bewusstsein sind." (Seite 21) Spiritueller Slapstick, noch konsequenter als das Nichts von Werner Ablass! Hurz! Hurz! Hurz!



Spirituell unkorrekte Erleuchtung: Ausbrechen in die Freiheit
1. Oktober 2005 von Jed McKenna

Die Welt ist ein weisser Wal ohne Wand

Rezension vom 31. Oktober 2017


Wer meine Vorliebe für Antigurus kennt, wird sich vielleicht wundern, daß ich diesem Buch von McKenna keine fünf Sterne verpasse, aber das ist leicht erklärbar: das Beste, Radikalste und Konsequenteste an diesem Buch sind die wütenden, selbsttherapeutischen Autolyse-Absätze von der Figur Julie einerseits und die wirklich radikalen Zitate von U.G.Krishnamurti andererseits, während McKenna selber das Antiguru-Prinzip der totalen Negation aller dualistischen Glaubensfloskeln und Erleuchtungsmethoden nicht einhält, sondern unerwarteterweise dann doch Aussagen darüber macht, was der erwachte Zustand inhaltlich sei, grade dann, wenn er einem in den Sätzen zuvor noch die Befreiung des Geistes wie Honig um den Mund geschmiert hat und der Genuss der wortlosen Ichlosigkeit keinerlei Begriffe für sich selbst bedarf. Im Verlaufe des Buches wird mir immer mehr klar, warum sich der Omega-Verlag bei seinem anderen Stammautor Werner Ablass für den Hinweis auf McKennas Buch bedankt: Ablass verkörpert in seinen eigenen Büchern für mich eher das dogmatische Guru-Prinzip und ist alles andere als nondual, wenn er die Welt zur Illusion degradiert, während McKenna in "Spirituelle Dissonanz" ein nonduales Sprungbrett in die Welt hinein schafft, indem er sie durch das Erwachen echter als je zuvor spüren lässt. Das ist aber in seinem Vorläufer "Spirituell unkorrekte Erleuchtung" noch nicht so: hier liest man dieselbe dualistische Haltung gegenüber der Welt als Traum wie bei Werner Ablass und hat zwischendurch sogar das Gefühl, es handle sich wortwörtlich um denselben Autor. Guru und Antiguru als Rollen ergänzen sich nicht nur marketingtechnisch perfekt, sondern auch psychologisch: nach der Lektüre beider Autoren lösen sich die Inhalte der Bücher in meinem Geist auf und ich muss herzlich lachen, weil ich mal wieder darauf hingewiesen wurde, warum ich kein spiritueller Sucher bin: mein Ich schreit weder nach religiösem Futter noch nach Befreiung von sich selbst, denn es ist sowieso nur ein grammatisches Konstrukt ohne etwas eigenes zu sein. Das war einmal anders und darum machen mich spirituelle Bücher noch neugierig, um zu vergleichen, wie andere Autoren das ichlos erwachte Leben empfinden. Jed McKenna hat sich an diesem Punkt Omega leider als ebenso intellektueller, pseudonondualer Scharlatan geoutet wie Werner Ablass. Ich danke den beiden insofern im Doppelpack für DIESE unkorrekte Erleuchtung und werde nun U.G.Krishnamurti auf "transspirituelle Tauglichkeit" prüfen!



Abschied vom Ich und wie leicht es sich ichlos lebt
15. April 2009 von Werner Ablass

Komatöse Körperlosigkeit

Rezension vom 22. September 2017


Alles "futsch und perdü" oder was? "Oh welch ein Wunder! Da ist nichts und gleichzeitig alles, das Nichts ist tatsächlich alles!", sagt der Autor des Buches ABSCHIED VOM ICH. Dieses Buch von 2009 enthält bereits alle floskelartigen Grundüberzeugungen des Autors, die er in seinem Buch "Suche nicht - sei!" dann 2012 wiederholte. Weshalb ich nun diesen Vorläufer trotzdem noch nachträglich gelesen habe, ist meine Verwunderung darüber, mit welchen billigen Tricks ein Bewusstseinscoach arbeitet, um spirituelle Sucher mithilfe subtiler pawlowscher Konditionierung für die angeblichen Konsequenzen seiner Ansichten zu gewinnen: zuerst lockt er mit der typischen Guru-Provokation "Spirituelle Suche ist paradox. Denn es gibt nichts zu finden", um aber im selben Atemzug dieses "nichts" zu substantivieren: "Nichts finden zu können ist die größte Entdeckung!" Dieses verablasste Nichts nennt sich dann wahlweise Totale Leere (aus der die Fülle erscheinen soll), DAS, Gott, das Eine, Existenz, DIE Energie, DAS Licht (Artikelgroßschrift im Original) oder einfach nur "die Wirklichkeit selbst", natürlich im Gegensatz zur "virtuellen Natur" unserer rein "phänomenalen" (und das heißt für ihn: nur eingebildeten) Realität. Der Gipfel der ungewollten Satire ist dann die Behauptung, diese Wirklichkeit (des "Geliebten", der "einzigen Macht", der "Essenz" oder der "Quelle") sei unbeschreiblich, weil sie sich auf einer nondualen Meta-Ebene befände, während die alltägliche Lebenswelt eine Simulation, ein monumentales Spiel aus Illusionen als "das geniale Spiel des Geliebten" mit sich selbst sei: "Du bist nicht dein Körper! Nichts von dem, was du wahrnimmst, ist wahr!" Denn: "Das, was nondual ist, das bist du - das, was hinter oder unter dem Gewand ist, was wir Geist-Körper-Organismus nennen." Allein diese (unglaublich supernonduale!) Aufteilung der ontologischen Wahrnehmung in nonduale Meta-Ebene und duale Ebene gleicht exakt jener "kleinkarierten Schuljungenphilosophie", die Werner Ablass als pubertär empfindet. All seine als nondual etikettierten Dualismen zielen nur darauf ab, eine ichlose, willenlose Renaissance von neuer advaitistischer Religiosität in dein Hirn zu pflanzen, nachdem du begeistert geschluckt hast, das uns die Religion "gründlich verdorben" hat. Das Statement "Das Leben IST - ein größeres Wunder kann es nicht geben" wird durch diese komatös verablasste Gottesbrille gesehen leider auf dieselbe Weise ins Gegenteil pervertiert, wie es auch in den üblichen esoterischen Lebensratgebern geschieht, die der "Stärkung des Ich-Bewusstseins" dienen wollen, indem sie dich zu Engeln, Anziehungsgesetzen und aufgestiegenen Meistern bekehren. Bei Ablass heißt GOTT eben "allumfassende Liebe", "unaussprechlicher Friede" und "andere Instanz" und ist "der Drehbuchautor, der Regisseur, der Kameramann, die Schauspieler und sogar die Zuschauer. Alles in allem, weil nur er existiert." So viele hochspirituelle Hypothesen aufgrund von erleuchtetem Erwachen, das für Werner Ablass absurderweise dem traumlosen Tiefschlaf und dem Fall ins Koma ähnelt (vgl. hierzu Jean Gebsers archaische Bewusstseinsstufe und die Verwechslung von präpersonal mit transpersonal bei Ken Wilber), hätte ich dann doch nicht von jemandem erwartet, der eigentlich niemand mehr sein will. Dieses dogmatische Buch drückt dem Leben jede Menge Über-Ich-stärkende Prädikate auf, die seine Lektüre für Freiheits- und Friedensucher zur reinen "Energieverschwendung" machen, um es einmal mit des nackten Kaisers eigenen neuen Wörtern zu sagen. Werner entpuppt sich als ziemlich windiger Wer-Nerd, dessen Anhänger zu ganz speziellen willenlosen Super-Eso-Zombies mutieren, wenn sie ihr Ich verabschieden. Niemand denkt, fühlt und handelt in einer imaginären Ablass-Sekte "in eigener Regie". Denn: "Du brauchst kein Ich, um zu leben." Du brauchst nur das "Jauchefaß der religiösen Vorstellungen", die dir Werners weise Worte zum Baden in der totalen Leere anbieten... WOLLT IHR DIE TOTALE LEERE? Aber Vorsicht: das Jauchefaß der Ichlosigkeit ist ein "unfaßbares Wunder" - ah, jetzt verstehe ich endlich die nonduale Paradoxie! Und trinke auf den Schreck erstmal ein Fassbier im Füchschen :-)



Der Neue Realismus
22. Oktober 2014 von Markus Gabriel

Des Kaisers Neuer Realismus

Rezension vom 26. Juli 2017


In den 90ern promotete Suhrkamp mit ebenso viel Werbetamtam die damals angesagte philosophische Strömung des sogenannten "Radikalen Konstruktivismus". Es gab immerhin 1 RK-Vertreter in den Anthologien, der selbstkritisch darstellte, warum der RK bei seinen meisten Kollegen gar nicht radikal ist. Zwanzig Jahre später möchte man nun wieder Bestsellerumsätze machen, indem eine angeblich "neue" Philosophie ausgerufen wird, aber des Kaisers neue Kleider sind nur parfümierte Lumpen! Das einzig wirklich Lobenswerte am Neuen ist eine uralte Weisheit, die schon von spirituellen Lehrern (wie z.B. Alan Watts oder jüngst Pier Zellin) weit besser erklärt wurde, nämlich daß es keinen Weltbegriff "hinter" der Welt gibt, sondern die Wahrnehmung (das geistige Prinzip) genauso real ist wie die (materiellen) Gegenstände, die sie wahrnimmt. Genau das war auch die echte Radikalität des RK, die leider fast kein Konstruktivist erreichte, da diese die Weltfrage nicht überwanden sondern nur tabuisierten. Warum wohl? Weil das mental-dualistische Denken nur Schildkröten auf Schildkröten produziert! Man sollte da lieber Fritjof Capras Neues Denken entstauben oder Bücher über Nondualität und Nullyoga studieren. Das könnte dem Bonner Professor auch vielleicht zur Erleuchtung dienen anstatt aus einer hohlen Mücke einen aufgeblasenen Elefanten schweben zu lassen und dem Volk als Ontologie zu verkaufen. Schade, wenn Philosophen ihren eigenen Tunnelblick als Trend tapezieren - gut wenn man genug zum Vergleich gelesen hat, um sich verwundert die Augen zu reiben: der Marketingtrick "NEU!" funktioniert nicht. Kein Wunder, daß es Zeitungsrezensionen gab, die von Etikettenschwindel sprachen...



Urruhe: Manifeste und Essays
6. September 2016 von Liga der Leeren (LDL)

Urberuhigt ohne Urruhe

Rezension vom 26. September 2016


Als Gastautor der LDL bin ich natürlich im Urteil befangen, denn ich würde dort nicht selber mitmachen, wenn ich deren Ansichten nicht teilen würde. Allerdings bin ich ein Bücherliebhaber und war daher neugierig, wie die Manifeste der LDL in gedruckter Form wirken. Im Format und vom Layout her ist dieses zweite Heft der Zellin-Pseudonyme identisch mit ihrem ersten Heft (NULLYOGA), was auch das inhaltliche Konzept widerspiegelt: die beiden recht dünnen, aber hochkonzentrierten Publikate ergänzen sich wunderbar und nehmen in vielerlei Hinsicht Bezug aufeinander! Besonders begeistert bin ich davon, daß sämtliche Texte weiterhin auf den Homepages der LDL (Urruhe.de & Nullyoga.de) nachzulesen sind und auch dort bleiben! Es besteht also kein Kaufzwang, um an der "erleuchtungsfreien Erleuchtung" als normalsterblicher Hartz4-Empfänger teilzuhaben, im Gegenteil: das einleitende Zitat von Jed McKenna über die zahnlose Verschwörung des Ausbrecherclubs wirkt beinahe wie eine Selbstsabotage der Publikation und überspitzt noch einmal die Grundbotschaft der ominösen Gruppe, die sich "Liga der Leeren" nennt: da ist schlichtweg niemand mehr da nach dem echten Erwachen, der irgendein Buch bräuchte, um sich des Erwachens zu vergewissern :-) Was für einen existenziellen Nutzen hat also ein solcher Lebensratgeber, wenn er gar keine Weisheiten behaupten will, obwohl er (angeblich!) von "ehemaligen Gurus" geschrieben wurde? Ich halte das Heft eher für eine aufklärerische Abrechnung mit der leicht psychoiden Spiriszene, die sich in neoadvaitistischen Satsangs und quasibuddhistischen Retreats verausgabt, um ihre menschlich allzu menschlichen Neurosen gegen ein Nirvana auszutauschen, das zu einer radikalisierten Aufspaltung der Wahrnehmung in Ego und Erleuchtung führt. Die Liga der Leeren verzichtet aufgrund eben dieses von ihr abgelehnten Dualismus' bewußt auf den elitären Personenkult, um dem spirituell suchenden Leser zu vermitteln: es gibt keine erleuchteten Egos - ich zitiere (aus dem Essay "Urlaub & Urruhe"): "Erleuchtung geschieht nur als Befreiung von diesem konsumorientierten Extra-Ich, um in der fließenden Wahrheit der sich ewig wandelnden Gegenwart aufzuwachen und zu bemerken: da ist niemand da, der behaupten könnte, aufgewacht zu sein - alles IST wach!" Daraus folgt weiter hinten im Buch (im Essay "The Importance of Infinity") eine alltagstaugliche Beschreibung der Grundhaltung der LDL, die den Kreis zum ersten Heft schliesst: "Es gibt keinen Unterschied zwischen Ruhe und Bewegung aus dem nondualen Lebensgefühl von Nullyogis." Als ideologiekritischer Neuroatheist empfinde ich all diese Statements in einer Epoche religiös motivierten Terrors als große Erleichterung und psychophilosophische Hilfestellung, um sich selbst immer wieder bewußt zu machen, warum man nicht für oder gegen irgendetwas ist, sondern das Leben selbst aus der Gegenwärtigkeit eines Sachverhaltes heraus spontan entscheidet, was passiert. Ich wünschte mir, aus diesem großartigen Gegenwartsgefühl einer "urberuhigten Bewegung" (siehe 4.Manifest "Synonymsatori") ließe sich auch eine neue politische Bewegung ableiten, die sich radikal lebensbejahend definiert, ohne aber die esoterischen Grundbegriffe zu benötigen, die von der LDL konsequent ad absurdum geführt werden: Gott, Liebe, Leere, Seele, Selbst - alles nur "idealistische Projektionen" des "pseudoerleuchteten Meta-Ichs". Ist eine Politik OHNE GRUNDBEGRIFFE überhaupt denkbar? An einem "Flow"-Ansatz ist bereits vor Jahrzehnten der Fluxus-Künstler Joseph Beuys mit "seinen" Grünen gescheitert. Vielleicht wird der Mensch immer eine gewisse Metaphysik benötigen, um einen festen Standpunkt einzunehmen, weil er eben einen FESTEN PUNKT definieren will, wo sich im Grunde nur Löcher aneinanderreihen. Umso erfreulicher, daß es mit dem Heft "URRUHE" nun eine szenekritische Beweisführung gibt, die den egozentrischen (oder personenzentrierten) Dualismus überwindet und eine Rückkehr in den totalen Augenblick einleitet, OHNE sich totmeditieren zu müssen, sondern die Schwierigkeiten beim "Ankommen" anschaulich psychophilosophisch benennt! Das liest sich auch flüssig aus den englischen Passagen heraus: "Society is sick: people don't trust their senses because everything is in flow. They seek for silence beyond movement instead of BEING NOW..."



Nullyoga: Gründungsmanifest & Grundkenntnisse
17. November 2015 von Pia & Pier Zellin

Null Ideologie: Nullideologie!

Rezension vom 15. Oktober 2015


Ich habe lange darauf gewartet, daß jemand eine Art Handbuch für ein neues, zeitgemäßes "transspirituelles" Lebensgefühl schreibt, ohne eine neue Ideologie zu erschaffen. Nullyoga wirkt wie eine Parodie auf den spirituellen Wellnessboom mitsamt Gurus und Lehrern, enthält aber ernstzunehmende klare, provokante Erkenntnisse darüber, warum man sowieso "erleuchtet" und "erwacht" ist im Sinne von ganz angekommen im echten Leben (anstatt in einer transzendenten "göttlichen" Mitte). Nullyoga betreiben bedeutet, die tatsächliche, erfahrbare Wirklichkeit nondual, absolut zu empfinden. Der zwanghafte Leistungsdruck, den alle möglichen esoterischen Disziplinen erzeugen, wird endlich überwunden. Nullyoga ist totale Wellness für die Seele und bewirkt nebenbei eine körperliche Tiefenentspannung, weil nichts mehr gesucht und erreicht werden braucht. Null Druck mehr! Alles, was passiert, wird zum reinen Selbstzweck erklärt, sogar die Verrenkungen anderer Yogastile! Das Motto ließe sich vielleicht so beschreiben: tu einfach, was angesagt ist, sei so, wie Du sowieso bist. Das ist der Sinn des Lebens. Null Ideologie: Nullideologie!